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Mittwoch, 17. Oktober 2007

Mal eben um den Verstand geträumt

Traumbewirkte Pressgedanken
streifen mir die Wahrheit ab.
Abgestreifte Wahrheitsranken
wachsen aus dem Klarheitsgrab.

Raumbestärkte Schaumtendenzen,
durch Erwachen aufgebauscht,
tauschen meine Faktengrenzen
flauschig aus, ich bin berauscht!

Dauernd laufen Austauschschüler
durch mein Hirn und raufen dort,
spielen fangen, strecken Fühler
nach der Wahrheit Heimatort.

Solchermaßen mich verlaufend
stoppe ich den Irrsinnslauf.
Mich dann kurz zusammenraufend
wache ich, noch schnaufend, auf.

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Versöhnliche Harmonien

Musik, mich zu versöhnen mit der Welt,
mit diesem Berg an leichter Existenz.
Ein Trieb, sie zu verhöhnen mich befällt,
doch ist sie das nicht wert in meinem Lenz.

Mir blühen fruchtig reiche Melodien,
wertvoll, teuer, eben weil so schlicht.
Da habe ich der Umwelt schnell verziehen,
dass manchmal sie im Innersten mich bricht.

Mir angedeihen feine Harmonien,
in ihrem Tonspiel frech und groß und feist
und sind mir auch beim letzten Mal gediehen,
noch heut‘ von ihrer Schönheit zehrt mein Geist.

So liege ich, die Ohren voller Klänge,
das Weltgeschehen blasser Hintergrund,
der manchmal flackert, fast als ob er dränge
durch den Nebel, meinem bunten Schwund.

Alles schwankt und gibt die Töne wieder,
die Frequenzen manchen Vibration,
so entstehen wahre Lebenslieder:
Nur durch Fließen, Ton um Ton um Ton.

Montag, 8. Oktober 2007

Untreue

Im Zweifel für den Angeklagten,
doch bin ich kein Agnostiker.
Was and’re sahen, and’re sagten
Trifft mich und verletzt mich schwer.

Da wird der Baum in seiner Zierde
betoniert in meinem Sinn.
Nein, sowas kann nur die Begierde,
derer ich kein Herr mehr bin.

Doch was ist Treue? Was ist Lieben?
Was ist Hoffen? Kinderkram?
Ist denn wirklich nichts geblieben?
Bleibt mir nur der Spott zur Scham?

Tausend Mäuler fressen gierig
Mein Gehirn, weil’s sich belügt.
Alles ist halt etwas schwierig,
wenn sie einen so betrügt.

Sonntag, 10. Juni 2007

84

Sieh: Sie stürmen Deinen schönen Denkpalast,
entern alles, was zu ihnen nicht so passt,
oh, Du hast verprasst, was Du noch einst besessen,
was Du Dir so hart doch angeeignet hast,
nun jedoch ist Deine Meinung längst vergessen.

Wie versessen Du noch ewig drauf beharrst!
Wo Du doch das erste freie Opfer warst,
Dich entlarvtest als geziemlich braver Krieger
dieser Schlachten, deren Stolz Du noch bewahrst,
wenn Du meinst, das uniforme Hirn sei Sieger.

Oh, Piraten, sie entarten Kopf und Kunst,
machen Wahrheit ohne Klarheit wessen Gunst
befriedigt wird, wie ketzerisch die fiese Frage!
Seid es ihr? Ich glaub's fast nicht: Ich bin verhunzt?
Wer weiß das dieser Tage noch in dieser Lage?

Dienstag, 5. Juni 2007

Ritter

Möglicherweise schwer zu interpretieren...es hat mit Kapitalisten zu tun - zumindest für mich. Ich bin gespannt, wie euer Eindruck sein wird.


Steht, ihr Ritter, steht nur bitte auf!
Solche Herren braucht es heute mehr
denn je – denn welcher adelige Herr
nähm' wohl heut' noch Risiko in Kauf?

Kämpft, ihr Ritter, immer für die Ziele,
noble Interessen, nichts zu schwer!
Heute gibt es keine Ritter mehr,
keinen, der für seine Wahrheit fiele!

Seht, ihr Ritter, uns're Not ist groß!
Größer noch, als eure dunk'le Zeit,
kommt, ihr Ritter, stellt die Gnome bloß!

Und erlöst, ihr Ritter, uns vom Feigen,
zeigt: Ein edler Kämpfer ist gefeit
und scheut sich nicht, dem Volk sein Blatt zu zeigen!

Samstag, 2. Juni 2007

Positiv erschöpft

Welch entzückend komische Empfindung:
Während man den Körper fallen wähnt,
spürt man doch, obwohl man herzhaft gähnt,
jene Spannung, wohl als letzte Bindung

„Müde“ scheint mir nicht das rechte Wort,
„fertig“ bin ich auch noch lange nicht!
„Positiv erschöpft“ und doch erpicht,
alles zu bewegen, immerfort!

Lasst mich, der ich kaum noch richtig sehen,
kaum noch stehen kann, die Achse dieser
Welt sein, fällt kein Anspruch denn noch mieser,
als der meine, will ich ewig gehen!

Schließlich wird die Arbeit zur Mechanik,
alle Muskeln kontrahier'n von sich,
kontrollieren alles – und auch mich,
sind zwar mein, doch treiben mich zur Panik

und entspannen mich in gleichem Maße,
Widerspruch, die Farben werden eins,
kein Kontrast, kein – stopp! - ist dies Wort meins?
Warum stehe ich auf einer Straße?

Warum läuft nun alles aus dem Ruder?
Ich mit Riesenschritten nur zu Dir?
Gib mir Ruhe, diese fehlt mir hier,
deck mich zu mit Schlaf als feinen Puder...

Sonntag, 20. Mai 2007

Wie intensiv muss ein Leben gelebt werden und kann man das überhaupt je wissen?

Intensiv gelebtes Allessein.
Alles ist in mir und ich bin es.
Alles. Nur was ist das? Pause. Rein.
Jeder Ton addiert, ist das jetzt Stress?

Pause. Raus. Die Welt ist groß, so groß.
Oh so groß ist alles, was ich weiß,
Und ich weiß so wenig. In den Schoß
Verkriechen, warum nicht? Wenn ich zerreiß'.

Irrer Blick naturgegeb'ner Stille,
Alles auf dem Kopf. Ich werde taub.
Hörsturz meiner Sinne? Oder Wille?
Will ich nicht mal pusten? Dieser Staub

Und dieser Dreck der alten Tage
Fein. Nur fein ist manchmal sogar gut.
Langeweile? Nein. Welch blöde Frage!
Pause. Rein. Ich spüre Übermut.

Ewig rauscht der Bach. Und diese Fische,
Bunt, so bunt erschimmert dieser Braus
Voll Schuppen, die ich instinktiv vermische
Mit allem, was ich sehe! Pause. Raus.

Mittwoch, 9. Mai 2007

Fragerei

Tausend Tränen später schließlich seh'
ich all die Wahrheit, die sich mir verbarg!
Wollt' ich sie nicht sehen? War ich arg
so blind, wie ich jetzt unbeholfen steh'?

Tausend Fragen später schließlich mag
sich mir zwar einiges erklären, jedoch nie,
warum in meiner fast-Philosophie
bald tausend Dinge sind, die ich nie sag'.

Muss ich's endlich einseh'n – weiß ich nichts?
Bin ich dumm geboren, sterb' ich dumm?
Ist denn keine Lösung angesichts
dieser Frage wirklich richtig rum?

Ist sie denn umsonst, die Fragerei?
Trau' ich mir denn keine Antwort zu?
Führe ich nur Unglück so herbei,
wenn ich d'rüber grübel' ohne Ruh'?

Niemals möchte ich dies alles sagen,
doch mich treiben meine vielen Fragen.

Sonntag, 1. April 2007

Zukunft

Gedankenstrom, die zweite. Dabei nicht sinnlos.


Ewig fort, so fließen alle Flüsse,
kaum behindert durch das Landschaftsbild.
Tausend Grüße, winken, tausend Küsse,
der Wind steht gut, das Klima ist recht mild.

Wir variieren uns're Masken täglich,
doch wenn das Gesicht verändern soll,
scheitern viele leider allzu kläglich,
sind im Geiste leer, der Hoffnung voll.

Geht voran, oh Brüder, lasst uns schaffen,
was vor uns schon tausende geschafft,
doch mit eig'ner Hand den ganzen Pfaffen,
Richtern, alllen Leuten, die gegafft

zeigen, dass wir eigenes kreieren,
uns're Zukunft ist ein Pergament,
dass man schön bemalen, fies beschmieren
oder leer belassen kann. Wer kennt

denn schließlich alle Varianten,
die ein Leben schließlich nehmen kann?
Du? Ich? Einer der Verwandten?
Kommt! Wir schaffen unser'n eign'nen Bann!

Mittwoch, 21. März 2007

Intermission: Doch letzten Endes

Es mag zuweilen vorkommen, dass an einem Tag mehr als ein Gedicht entsteht, wie heute. In solchen Fällen ist das zweite nicht Teil der Reihe Das tägliche Gedicht, was am Tag und an der Bezeichnung Intermission im Titel zu sehen sein wird.

Heute ein Gedankenstrom, nahezu in Echtzeit niedergeschrieben und keine tiefphilosophische Angelegenheit, sondern jene Art sympathisch-naiver Pseudophilosophie großer Schlagworte, wie sie (jedem?) zuweilen durch den Kopf geht.




Doch letzten Endes sind wir alle nichtig,
spielen uns're Egos auf,
schaffen uns und gehen drauf,
tausend Schwäne – keiner davon wichtig.

Und letzten Endes sind wir alle tot,
niemand ist noch kreativ,
kein Gespräch wird arg zu tief,
begrab'ne Feder, dichte uns're Not!

Und letzten Endes treiben wir noch fort
von aller Geisteselegie,
Sinn verstand man eh noch nie,
was wir dem Leben antun ist schlicht Mord.

Und letzten Endes leidet man sich durch
das Leben, wie es sollte sein,
man zwängt sich durch – es ist zu klein,
wir spielen auf dem Lebensfelsen Lurch.

Und letzten Endes sind wir alles Tiere,
die aus versehen Sprache fanden
für die Wellen, wenn sie branden
an die Felsen, die ich nun verziere.

Letzten Endes sind auch dies Geschichten,
die nichts wirklich sagen wollen
oder können, wenn sie tollen
durch die Köpfe, die sie dumm verdichten.