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Donnerstag, 15. November 2007

Excalibur

Excalibur, Excalibur,
was willst Du doofes Schwert denn nur?
Nun steckst Du dort in diesem Stein
und willst nicht raus – nicht weiter rein
und lachst, wenn einer kläglich zieht,
Dir schmachvoll auf die Klinge sieht,
Excalibur, Excalibur,
was willst Du doofes Schwert denn nur?

Excalibur, Excalibur,
Du spielst mit diesem dummen Schwur!
Verspottest alle, groß und klein,
und niemand kann nach Hilfe schrei’n,
denn wer Dich will, der muss allein
der Auserwählte dafür sein.
Excalibur, Excalibur,
was willst Du doofes Schwert denn nur?

Excalibur, Excalibur,
nun sieh doch diesen armen Bur!
Der zieht, als gäb’s kein Halten mehr,
doch Halten gibt’s – Du hälst Dich schwer
und immer mehr an diesem Stein,
wie kann man denn so stur nur sein?
Excalibur, Excalibur,
was willst Du doofes Schwert denn nur?

Excalibur, Excalibur,
Jetzt hat Dich wer! Sein Herz ist pur!
Er zog wie jeder and’re auch,
doch nach der alten Sage Brauch
entschlüpftest Du dem Felsen rasch
(und dabei zog er etwas lasch),
jetzt merkst Du, was es heißt, zu leben,
wird einiges auf’s Eisen geben,
Kämpfe, Schlagen, Kriege gar –
Du beziehst für immerdar
die Prügel dieses edlen Herrn,
sag: Hast Du diesen Schwur noch gern?
Excalibur, Excalibur,
Da hast Du Deinen doofen Schwur!

Mittwoch, 14. November 2007

Antarktis

Ein Klirren zischt durch hartgeword'ne Kälte
und kalte Nässe tropft von Feuchtigkeit.
Ein Zwieton, nihilierend Raum und Zeit
entbehrt der Wirklichkeit, die ihn entstellte.

Wie wildgeworden - ohne jede Regung.
In stiller Qual treibt alles unbewegt.
Und quält sich mehr noch, wenn ein Laut sich regt,
verdammend jenen Kraftakt der Bewegung.

Die Macht des Krachens gleicht dem Gigantismus,
des Urgewalt sich Götter sonst verseh'n.
Ein surreales Stöhnen, bald ein Fleh'n,
enthüllt der starren Ferne Eskapismus.

Ein weißer Tod in weißer Camouflage.
Und keines Lebens Ohren nehmen wahr,
wie grausam herrlich, roh und wunderbar
erklingt der hohe Schrei der kalten Rage.

Dienstag, 13. November 2007

Wie wertvoll ist ein Mensch?

Es ergießen tausend Sprossen
von vermeintlichen Kolossen,
die behaupten, stark zu sein,
die uns sagen, wir sei’n klein.

Es ersprießen tausend Flüsse,
tausend Früchte, tausend Nüsse,
wir, so sagt man, war’n das nicht,
wir sei’n dafür viel zu schlicht.

Es vertuschen tausend Farben
tausend Fakten, nur wir darben
ohne Zweck und ohne Sinn,
ohne das markante Kinn.

Es verfärben tausend Tuschen
Menschenwesen, die da kuschen,
weil man sagt, sie sei’n nichts wert,
sprich nur, göttlich großes Schwert!

Dienstag, 30. Oktober 2007

Wenn Arschlöcher diskutieren

dein Schuldspruch schallt wie Peitschen durch den Raum,
dein fettes Grinsen maßt sich alles an,
das irgendwie ein Urteil werden kann,
dich selbst hingegen fragst du Götze nicht.

Und nicht im Traum wird Toleranz geübt,
wenn anderer sich Meinung zag erlaubt.
Die Stimme schnellt gen Himmel, dreist und raubt
das Fundament – Ideenbild getrübt.

Doch zweifelt jemand (und nicht ohne Grund)
an Worten, die aus deinem lauten Mund
entstammen, wird sich grandios empört!

Dann bist du halt perfekt – und da, wo nicht,
noch stolz darauf, dein Gegner nur ein Wicht,
der nicht in deine Perversion gehört.

Sonntag, 28. Oktober 2007

Ewiges Wähnen

Es ist ein Traum! Sag: Ist es Wirklichkeit?
Verhält sich diese Existenz zu mir?
Denn dieser Raum, der alle Pflichten freit,
versammelt gleichsam alle Pflichten hier.

Im Kegel dieses Dunkel scheint ein Licht,
das alle Ebenen entblößt wie Glas
und gnadenlos durch Haut und Hüllen bricht,
es sticht in ein nicht klar benanntes Maß.

Im Wähnen, klugen Wähnen bin ich dumm,
denn seh‘ ich nicht: Ein Schauspiel nimmt uns mit!
Und spielend drehe ich den Zeiger um,
der alles kommentiert auf Schritt und Tritt.

Es folgt das stille Summen, stummer Ton,
ein Lied, das niemand kennt und ohne Takt.
Verlegenheit erstrahlt – und geht auch schon,
belässt mich schweigend dem bescheid’nen Pakt.

Samstag, 27. Oktober 2007

Stiller Bewunderer stiller Szenerie

Der Schatten einer stillen Amazone,
verheißend den Besucher, der dort steht,
im Stillen seine Blicke klug verweht,
dient edel jenem höchsten Baum zur Krone.

Gleich Wasser schwimmt die Wolkendecke träge,
verhüllt schon bald den Mond, des weißes Licht
so rein von neuem strahlt, durch ihn erst sticht
der Schatten Schönheit in die Himmelsschräge.

Von alledem verzaubert steht das Wesen
inmitten dieser nächtlichen Natur,
als wollte es den Sinn der Welt erlesen.

Es leidet fast vor Schönheit allerorten,
noch nie sah dieses Reh solch Szene pur –
entfremdet dieser Welt mit ihren Worten.

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Hinter diesen Augen oder: Unbefriedigt

Das Augenlid verbirgt ein schlimmes Tosen
von Blitzen, Donnern allen Farben Kind,
die Götter der Natur vollziehen Posen,
im Inner’n ein Konflikt, des Bild sie sind.

Oh, hinter diesen Augen, diesem Funkeln
entsteht ein Wirbelsturm verletzten Traums.
Ein Wirrwarr schreit sein gottverlass’nes Munkeln
in Weiten eines chaostollen Raums.

So streiten denn die grundlos Hasserfüllten
im Inneren des Menschen immerdar
und wünschen sich, noch während sie so brüllten,
dass alles grundlos besser wieder war.

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Techtelmechtel

Du streichelst meine Schenkel und ich ahne.
Es ist schon etwas länger her – Du weißt.
Und doch ist das egal. Auch darum mahne
ich nicht, weil Du mich zwanglos neu verheißt.

Die Hand im Auf und Ab, ein weiches Schlingen,
als wär‘ es ausversehen, streift sie ihn.
Und alle Spannung muss ich niederringen,
um nicht sogleich die Kleiderauszuzieh’n.

Triumph der Sinne, kommt das Streicheln näher,
Verlust des Lebens, geht es wieder fort.
Mit jedem Kommen kommt sie etwas eher,
verweilt ein wenig länger hier und dort.

Aus kleinem Spiel wird ernst nur in Minuten,
denn irgendwann, da will man explodier’n.
Man meint, es sei schon fast zu viel des Guten,
nach all dem Streicheln sollte man forcier’n!

Und endlich doch die Hände richtig führen,
und spür’n, was nur ein Partner spüren darf.
Man sagt sich Worte, will sich fest berühren,
und findet sich mit einmal „heiß“ und „scharf“.

Und wenig später liegt man beieinander
und ist sich, seiner Ruhe einig, still.
Das hält dann, bis die Hände wieder wandern
und man von Neuem Altes neuern will.

Dienstag, 23. Oktober 2007

Kehrtwende

Die schwarze Nacht läuft flüssig aus der Spitze
und klobig rinnen Tropfen auf das Blatt,
auf das ich sinnverloren Striche ritze,
Kerben – eines wahren Textes statt.

Man mag es Anmut nennen, mag es schätzen.
Doch saugt sich das Papier nur voll mit Hass,
die trägen Pfützen sollen Sinne ätzen,
auf dass ich’s Fühlen bald zur Gänze lass‘.

Ein Füller, früher Zeichen wohler Werte,
graviert in dieses dumme Weiß den Tag,
an dem ich mich das Leben wahrhaft lehrte,
seit dem ich schwarze Hässlichkeiten mag.

Montag, 22. Oktober 2007

Langeweile

Die Zeit verharrt, verrinnt in trägem Schlummern,
die Luft steht tief gebeugt und schläft bald ein.
Der erste Atemzug von tausend Nummern
entsteht von Neuem, wird auch letzter sein.

Gedanken strecken sich so in die Länge,
bis transparent und faserig vergeht,
was eben kurz gedacht, die kleine Menge
wird aufgefüllt mit Nichts, die Zeit, sie steht.

Die Welt verweigert sich des Weiterdrehens,
als Standbild, stilles Leben, harrt sie aus.
Ein Windhauch ohne Ahnung jeden Wehens
zieht ungeweht durch dieses leere Haus.

Befolgend seinen Auftrag ohne Thema,
vergeht der Tag so langsam wie er kam.
Er folgt dem immergleichen Tagesschema,
das tausend Stunden heut in eine nahm.

Samstag, 20. Oktober 2007

Der stärkste Kompromiss

Die Woche der Sonette, wie mir scheint...sie drängen sich mir auf. Aber das stört bei schönen Frauen ja auch nicht.



In meinen Händen bist Du wieder Kind,
entwickelst wieder jene junge Kraft,
jenen jugendlichen Lebenssaft,
den zu finden alle suchend sind.

Auch ich bin Kind bei Deinem starken Sein,
verletzlich wird mein Kern aus Fleisch und Blut,
mit Schwäche schenke ich das höchste Gut
Dir Führenden – verwundbar bin ich Dein.

Und doch – wir machen beide starke Schritte
und beide sind wir sicher, sattelfest,
ein Kern aus Selbstbewusstsein in der Mitte.

Welch schöne Schwächung, die ich liebend nutz‘:
Dir bin ich nackt. Bedingungslos. Kein Rest.
Nach außen dann ein Mantel Ich zum Schutz.

Freitag, 19. Oktober 2007

Streites Echo

Langsam nur behaupten sich die Splitter,
dringen in die Wirklichkeit hinein.
Drüben die Karaffe, dort der Wein.
Die Sekunden schmecken dumpf und bitter.

Flecken auf dem Teppich, an den Wänden,
blutig malt die Flüssigkeit sich hin.
Welch Bedeutung, welch ein schwarzer Sinn,
zitternd steht die Luft und sind die Hände.

Später wird der Streit zu einem Schatten,
der verblasst, je dunkler er verweilt:
Lichte Hoffnung, die sie beide hatten.

Doch vergessen wird der Wein nie werden,
das Liquid hat viel zu fest verkeilt,
was sie trennt – im Himmel, so auf Erden.

Donnerstag, 18. Oktober 2007

Gewissen

Mein Blick entwindet sich der tausend Fragen,
gespielter Stolz entwirft sich durch den Raum,
erlischt die Augen – nur die Zweifel kaum.
Beseitigt nicht das stille Unbehagen.

Im Zwielicht badend mag man sich verstecken,
die Antwort schuldig bleibend wie ein Dieb.
Die Sprache wird sich irgendwann entdecken,
nachdem sie mir zu Abwehr schweigend blieb.

Doch später, wenn die Nacht die Sonne richtet,
später, wenn kein Laut das Urteil stört,
später, wenn das Schwarz mein Haus verdichtet,

dann kann ich nicht bestreiten, was geschehen,
die ganze Zeit im Spiegel schon gesehen:
Ein Schrei! Doch bleibt mein Wahnsinn unerhört.

Montag, 15. Oktober 2007

Momentaufnahme

Ein unsichtbarer Witz zieht ihre Brauen
zu feinen Bögen, zeichnet ihr Gesicht
in seiner Mimik voller Weltvertrauen,
ein Mehr an Ausdruck braucht es dafür nicht.

Und auch der Lippen feiner Winkel Zug
enthüllt subtil das vage Mienenspiel
in seiner Leichtigkeit, die Frohsinn trug,
ein Frohsinn, dessen stiller Mut ihr Ziel.

Die Augen stechen dumpf wie Diamanten,
die zwar verhüllt, doch allzu sichtbar sind,
sie gleichen dem Gefühl, dem wohlbekannten,
nach dem man meint, sie sei’n bald Frau, bald Kind.

Ihr sanfter Blick gen Himmel scheint zu fragen,
von welchen Dingen man noch singen mag,
und gleichsam zu sich selbst im Stillen sagen,
dass, was auch kommt, gespürt wird jeder Tag.

In diesem in sich ganzem Arrangement
verliert sich jede Wirklichkeit – und sie,
die ihren ominösen Teint
zu Tage trägt, schafft alle Harmonie.

Sonntag, 14. Oktober 2007

Grafitti

Die Nacht ist schwarz und schluckt noch jeden Schatten,
die Totenstille dient als Filmmusik,
und ihnen als Kulisse für den Krieg,
für den sie alles ausgeklügelt hatten.

Ein kurzes Regen, knapp ertönen Schritte:
Ein Zischen folgt, verweilt für kurze Zeit.
Sekunden nur, dann ist man schon bereit
zu flüchten, fern der Kunst in ihrer Mitte.

Und wenn man später Blaulicht sieht und hört
und Menschen, die Geschehenes verfluchen
und fiebrig nach den Übeltätern suchen,
dann fragt man sich, warum nur Kunst empört.

Freitag, 12. Oktober 2007

Die inneren Werte

Ich kenne Deinen Namen nicht einmal,
doch ist mir Deiner Schönheit Gegenwart
ein Zauber, der in meinem Sinn verharrt,
ein Freund, der mich zu meinem Glück befahl.

Und wüsst‘ ich nicht, wie’s Laufen richtig geht:
Ich sähe Deiner Füße feinen Schritt,
vergaß bald allen Stillstand, den ich litt
und rannte wie ein Wind, der mutig weht.

Das Sehen wird in Deiner Augen Braun
erst wirklich lohnend – erst durch Dich ein Trick
des Lebens, das in Deinem tiefen Blick
sich spiegelt – mich ermutigt, auch zu schau’n.

Nur kennst Du auch das ganze Gegenteil
und annullierst die and’ren Zauber ganz
durch diesen kalten, klaren Wasserstrahl.

Denn öffnest Du den Mund und bietest feil
an Worten, was der schönen Lippen Tanz
entsteht, wird all die bunte Pracht mir fahl.

Dann gibst Du Preis, was niemand ahnte, weil
Die atemlose Schönheit wie ein Kranz
die Dummheit schmückt, verdeckt das dunkle Mal.

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Versöhnliche Harmonien

Musik, mich zu versöhnen mit der Welt,
mit diesem Berg an leichter Existenz.
Ein Trieb, sie zu verhöhnen mich befällt,
doch ist sie das nicht wert in meinem Lenz.

Mir blühen fruchtig reiche Melodien,
wertvoll, teuer, eben weil so schlicht.
Da habe ich der Umwelt schnell verziehen,
dass manchmal sie im Innersten mich bricht.

Mir angedeihen feine Harmonien,
in ihrem Tonspiel frech und groß und feist
und sind mir auch beim letzten Mal gediehen,
noch heut‘ von ihrer Schönheit zehrt mein Geist.

So liege ich, die Ohren voller Klänge,
das Weltgeschehen blasser Hintergrund,
der manchmal flackert, fast als ob er dränge
durch den Nebel, meinem bunten Schwund.

Alles schwankt und gibt die Töne wieder,
die Frequenzen manchen Vibration,
so entstehen wahre Lebenslieder:
Nur durch Fließen, Ton um Ton um Ton.

Samstag, 6. Oktober 2007

Tagesanbruch/Morgenröte

Der Atem einer Kolorierung pustet
Inzwischen Zweig- und Ästewerk hervor.
Die Ahnung einer Farbe hingehustet –
Schon folgt der Urknall uns’res Tageslichts,
die Glimmerkugel steigt durch’s Himmelstor,
im Zwielicht bleibt nur wenig, dunkel nichts.

Entzündet einem Waldbrand gleich den Himmel,
ein Feuer, dessen Lauf in voller Fahrt
bald Bäume flammt, bald rotgefleckte Schimmel
am Firmament, bald jeden Platz erhellt
und stolz in milder Klarheit sanft verharrt,
bevor es glühend vom Zenit aus schnellt.

Und gleißend schmilzt die neugebor’ne Welle
Der Nachtesstunden schwarzes Eis liquid,
auf dass es fließend flüchte vor dem Helle
und voller Reumut seine Wunden leckt,
noch während es zur and’ren Seite flieht,
wo’s bis zum neuen Abend sich versteckt.

Freitag, 5. Oktober 2007

Hospital

Ein toter Geist durchstöbert kalte Flure,
steril versprüht er nüchtern kranke Luft.
Es singt der Zeigertakt der kleinen Uhre,
vertont gesichtslos den Arzneienduft.

An blassen Wänden hängen blasse Bilder,
als hätte man Traumlosigkeit gemalt.
Im Neonlicht wird jede Farbe milder,
bis schließlich nur noch dumpfes Weiß erstrahlt.

Hier konzentrieren schweigend sich Geschichten
von Leiden, Schmerz und Unglück inspiriert.
Hier wird das Leben manches Schicksal richten –
ein Richter, dessen Kälte fasziniert.

Mittwoch, 3. Oktober 2007

Der Seehund

Es klatscht der fette Bauch auf’s Eis,
ein Schnaufen ist zu hören.
Die Schnurrbarthaare sind ganz weiß,
und wissen zu betören.

Der tiefen Augen schweres Braun
glotzt friedlich durch die Gegend.
Dann setzt er fort, sich aufzubau’n,
die dicke Brust bewegend.

Nun sitzt er wie ein Zirkustier
und imponiert den Weibchen.
Und zeigt: Er ist der König hier!
Und zeigt sein Haaresleibchen.

Im nächsten Augenblicke schon
will er sich weitertragen,
es rummst ein herrlich hoher Ton –
der Bauch ist aufgeschlagen.

Dann schlängelt und dann zieht er sich
mit dünnen Seehundflossen.
Halb ist der dabei lächerlich,
halb sind es schöne Possen.