Samstag, 30. Juni 2007

Generischer Maskulinum

Liebe Lehrerinnen, liebe Lehrer,
haben sie die Schülerinnen und
die Schüler schon gewarnt, dass jeder Hund
und jede Hündin, wenn man füttert, schwerer

werden kann, weil jedes bisschen Fressen,
wie auch jede Fressin Kalorien
sowie Kalorieinnen beziehen,
und die Tiere gerne davon essen,

wie die Tierinnen natürlich auch,
die den Männchen und den Männcheninnen
wahrlich ähnlich sind, sie sinnen
wohl danach, zu sein nach gleichem Brauch?

Daher sage ich, die Direktorin,
der Direktor gleichsam noch dazu:
Lassen Sie die Wesinnen in Ruh',
diese Wesen machen kaum noch Sinn.

Freitag, 29. Juni 2007

Arbeiter

Freunde, lasst die Gelder fließen!
Heute wird gefeiert und
alles wollen wir begießen,
edler Wein füllt uns'ren Schlund,

urgesund und kräftig fühlen
wir uns heut' am Ehrentag,
da wir nun im Munde spülen,
was man sonst verehren mag.

Ach, wie haben wir geschuftet,
ach, was war das Leben schwer!
Doch wenn heut' das Glase duftet,
fühl'n wir keine Schwere mehr!

Der Triumph der langen Stunden
offenbart den schönsten Lohn,
der uns müßigt, zu bekunden,
dass die Stunden uns nun Hohn!

Jedoch morgen, wenn wir wachen,
dann beginnt die neue Qual,
wieder Stunden, bis wir lachen,
doch wir haben keine Wahl...

Limerick VIII - Schneewittchen

Es biss einst das junge Schneewittchen
recht herzhaft in ein schönes Schnittchen.
Doch nach einem Bissen
hat sie's weggeschmissen,
da nannte das Brot sie ein Flittchen.

Donnerstag, 28. Juni 2007

Gebildete Gefühle

Alles scheint mir heute obsolet,
keine eurer Regeln ist valide,
wenn man Bagatellen dann versteht,
werden sie zu einer Farce rapide.

Wie frigide kann ein Geist nur sein?
Und welch labile Kontinuität
veranlasst diesen stolz agiern'den Schein,
zu einer Liaison, die Kummer säht?

Darum isoliere ich Malheur,
kontrahiere opportun Kalkül,
Glück als Antonym, wenn ich Dich hör',
weil im Nukleus konträr ich fühl'.

Mittwoch, 27. Juni 2007

Drogen

Alle Rezeptoren tanzen Tänze,
alle Pracht entblößt sich dort im Blut.
Und in seiner wunderbaren Gänze
tut die Kraft der Wirkung wirklich gut.

Tausend Schmetterlinge schönster Farben
spielen Ringelreihen froh im Kreis,
geben sich ein Stelldichein und darben
muss hier niemand, welch perfekter Preis!

Doch wenn erste Schleier blassen Graus
über diese Szenerie sich legen,
ist die Ahnung einer Kehrt hinaus.

Elend, bis das nächste Mal begonnen,
das macht diese Drogen so verwegen:
Niemals hat man wirklich was gewonnen.

Dienstag, 26. Juni 2007

Wollen wir nochmal...?

Ein Abend, den man so zu zweit genoss,
Wein und Brot und Film und noch mehr Wein,
dabei nicht besinnungslos – oh nein!
...zumindest nicht durch das Getränk, das floss.

Doch, wenn man reflektiert und ehrlich ist,
war viel Besinnung wahrlich nicht mehr da.
Umso mehr, da sinnlich viel geschah,
solcher Art, was niemand je vergisst.

Da schmiegten in des müden Lichtes Wärme
heiße Körperglieder sich entgegen,
zelebrierten Tänze, die verwegen,
die verboten schienen, tausend Schwärme
aller denkbar unerlaubten Träume
schwirrten, während man einander nahm
und völlig nahm, ohn' Rücksicht, ohne Grahm,
in die durch bloßen Sex erfüllten Räume.
Alle Welt hört auf zu existieren,
alles wird entladen durch den wilden
ungehemmten Beischlaf in Gefilden,
Lust und Fleisch und Wollen sie verzieren.

Schließlich bleibt ein Rest der freien Stunde,
und ein Rest Erotik, man ist nackt,
auch nach dem Erguss, der einem Pakt
der Willigen entspricht, geheime Kunde.

Nur erklärt sich eines wahrlich schwer:
Warum, wenn intimer man nicht werden
kann, warum dann ewig die Beschwerden,
wenn man meint, man wolle es doch sehr
und nur zu gerne nochmal wiederholen?
Warum es nicht einfach wieder machen,
wieder ineinander gleiten, Sachen,
die verboten, und Symbolen
fröhnen, die man nur beim Sex erkennt?
Warum dann nicht wieder alles geben,
sich in purer Lust nochmals entleben,
wenn man, was gescheh'n, sein Eigen nennt?

Montag, 25. Juni 2007

Ehrlich lachen (Humor)

Und ist es alles Leid und dumpfe Pein,
was Dein Gemüt empfindet, wenn es lacht,
dann lass das dumme Lachen doch mal sein,
Du glaubst doch nicht, dass uns das etwas macht!?

Im Gegenteil: Dann sei doch mannsgenug
und steh zu Deinem Kontra, Deinem Nein!
Versteh doch: Besser üb' nicht den Betrug
am eign'nen Wesen, besser sei uns klein

für den Moment als ewig ohne Größe
in Deinen Augen, weil Du Dich versteckst!
Dann besser gib vor Freunden Dir die Blöße,
als dass Du Dir Dein Spiegelbild verdeckst!

Sonntag, 24. Juni 2007

Erziehung

Aus Liebe gewaltsam, welch grausamer Krieg,
so liebend enthaltsam, welch trauriger Sieg.
Mit Worten wie Peitschen, Belohnungen fast
wie Zuckerbrot, welch seiden Bett dort im Knast.

Erschaffen wir Normen, erschaffen wir Werte
und alles, was währte, ist gut und Gelehrte
vermitteln die Lehren, die's Leben beschweren,
um gleichsam zu lernen, wie wichtig sie wären.

Gebären wir Ordnung, verwehren wir Trauer,
entgegen der Schwere der menschlichen Mauer
belauern die Geister der Freude den Wall,
wie Bauern im Schach: Kurze Freude, dann Fall.

Und während Dämonen der höheren Weise
die Unschuld beflecken, erst heimlich und leise,
wird Greise manch' Kind und man pflegt ihm zu sagen:
„Dies Laster, mein Junge, musst selber Du tragen!“

Samstag, 23. Juni 2007

Weinen

Einfach einmal einsam weinen;
niemand sieht mir dabei zu.
Einfach weinen – und im Kleinen
find' ich meine Seelenruh'.

Oh, die Last der letzten Wochen
wollte mich ersticken und
darum hat sich tief verkrochen,
was im Innern krank und wund.

Einfach keiner Form genügen,
alles ist nur meine Welt.
Einfach keine Regeln, Rügen,
die mir oft mein Glück verstellt.

Menschen wissen nicht die Mächte
jener Worte, die man sagt.
Einfach sagt, ohn' dass man dächte,
dass durch sie ein Herz verzagt.

Darum will ich einfach weinen,
denn die Tränen reinigen
jenen See in mir, des reinen
Wassers ich als Glück erkenn'.

Freitag, 22. Juni 2007

Filmreif (Verzweiflung)

Es ist, als würden Deine Füße weinen,
als käme jede Regung des Gefühls,
jedes Unterdrücken des Gewühls,
welches Dich beschäftigt und rumort,
nur durch die Bewegung in den Beinen
zum Ausdruck, ist beim Stehen wieder fort.

Langsam folgt auf einen Fuß der zweite,
und im Dunkel tragen sie den Schatten,
dessen Ränder einst Konturen hatten,
voller Farbe, voller Licht gefüllt.
Heute aber fällt die ganze Weite
jener Welt beiseite, ist verhüllt.

Du verneinst das Licht, das einst Du sandtest,
und entflüchtest in ein zweites Sein.
Du erkennst kein Leben mehr als Dein,
fragst mit keinem Wort nach der Gestalt
der Welt und niemand hält heut' Deine Hand fest,
niemand wärmt Dich und Du liebst es kalt.

Die Laterne steht entfernt und müht sich,
wenigstens den Umriss Deiner Züge
zu umspielen, doch sie werden Lüge,
denn Du wendest trotzig jenes Haupt,
welches diesen Abend nur zu gütlich
teurer Flüche seines Wohls beraubt.

Keine dieser Posen ist gespielt,
nicht Verstellung macht Dich zur Kopie
jener Filme, deren Inhalt nie
authentisch ist, hingegen handelst Du
nur aus dem Verlangen, das Dich hielt,
als Du weintest; lässt Dir keine Ruh'.

Dennoch: Du bestätigst Plagiate
der Verzweiflung, welche Du durchlebst.
Demonstrierst, indem Du zitternd bebst,
nur die Schulter hebst beim Atmen, doch
sonst gen Boden strebst, gebeugter Pate
jener Trauer, gleich humanem Loch.

Donnerstag, 21. Juni 2007

Herr des Sturmes

Ein Sturm, der euch verstummen lässt,
die stummen Häupter euch durchnässt,
nie vergesst die Kraft des Zornes
derer, die euch Leben hauchten
und, als sie euch nicht mehr brauchten,
euch als Opfer ihres Hornes
auserkoren.

Wenn alle Elemente toben
will behänd man jene loben,
deren Zauber tosend grollt,
bald im Feuer, bald im Wasser,
und die Erde wird noch nasser
wie der Wind, sich stolz enttollt,
neugeboren.

Und als fünftes Element,
das man nicht als fünftes kennt,
sondern wohl als Obergott,
dem man sich stets fügen sollte,
da wer ihn beherrschen wollte
bös bezahlt für diesen Spott
der Toren

nennt, versteht man die Natur,
deren Stärke Schönheit pur,
die gewaltig, brachial
alles miteinander bindet,
rasend tobt und schnell verschwindet,
Elemente integral
befohlen.

Mittwoch, 20. Juni 2007

Lastwagen

Es gibt kein Vor, gibt kein Zurück,
nur träge treiben Elefanten
blecherner Natur ein Stück
nach vorne ihre nah'n Verwandten.

Sie annektieren Stagnation
gleichermaßen wie die Straße,
deren Regeln ihnen Hohn,
Opfer ihrer bloßen Maße.

Und gewaltig sind sie wohl,
tonnenschwer und fett und stark,
massevoll doch geistig hohl,
ohne Wert das feste Mark.

Einzig noch gewaltiger
sind die Flüche, die entbehrt,
wenn ein Elefantenheer
vor Dir fährt, den Weg versperrt.

Dienstag, 19. Juni 2007

Balance

Genehmigen Sie bitte den Vergleich:
Ich pflege stets zu sagen, dass die Seele,
deren Wert man niemals sich verhehle,
an Wesen, wie ein Fluss an Wasser reich.

Ferner neige ich zu konstatieren:
Nur die Umwelt sorgt für diesen Bach!
Mal ein reißend Strom, des Tosen Krach,
mal ein flaches Rinnsal beim Flanieren.

Stürmt und donnert ihm die ganze Welt,
fällt ein unerbittlich dichter Regen,
wird ein Fluss, dem alles unterlegen
ist, gebor'n, der durch die Mulde schnellt,

und mit seiner Fülle mit sich reißt,
was auch immer dort im Weg ihm stehe
und – Verzeihung, dass ich es so sehe! –
stark ist zwar dies Wesen, jedoch dreist.

Wenn daher in Dürreperioden
aus dem einst so stolzen, vollen Quell
nur ein Flüsschen übrig bleibt, wird schnell
Ruhe ihm zum Freund, auf festem Boden.

Nichts gerät mehr außer der Balance,
keine Welle schwappt zum Lande über,
nur der Preis ist hoch: Ein vieles trüber
erscheint das Land der ungenutzten Chance.

Schließlich gibt es Zeiten, die sich lohnen,
da von Sturm bis Ruhe alles geht,
Sonnenstrahl und Regen dann entsteht,
alles sprießt, gedeiht, um zu betonen,
dass im Gleichgewicht die Seelen wohnen.

Montag, 18. Juni 2007

Sport

Raff die müden Knochen, Kämpfer,
halt Dich bloß nicht mehr zurück,
heute zwingen wir das Glück,
geben uns'rem Feind den Dämpfer!

Zieh die Schuhe an und laufe,
bis Du nur nach Luft noch ringst,
wenn Du Dich als Tier verdingst,
wie auch ich mich tierisch raufe.

Oh, welch Freiheit atmet dieses
wilde Laufen, dieser Sport,
nenn' es Kriegen, nenn' es Mord,
nenn' es Schlechtes, nenn' es Mieses!

Nenn' es albernes Vergnügen,
wenn gestand'ne Männer sich
duellieren, lächerlich
bald sich freuen, bald sich rügen.

Und erbost gen Himmel schreien,
wenn der Spielzug nicht geklappt,
Diplomaten sind verkappt,
wenn sie sich durch Wut befreien!

Schließlich artet die Ekstase
völlig aus, der Nerv liegt blank!
Seid ihr irre? Seid ihr krank?
Halt mal bloß den Rand Du Nase!

Herrlich ist es anzusehen,
wenn die Väter später dann
mit den Kindern ohne Bann,
ohne Zwang spazieren gehen,

sie zuhause wohl behütet
mit der Frau und Sohn im Arm
runterkommen, jede Harm
hat sich wohl im Spiel entwütet.

Sonntag, 17. Juni 2007

Kleine Lebenshilfe

Verleugne nie Dein Ebenbild
und ist es kein ganz eb'nes Bild,
so steh' dazu und sprich es aus:
„Ich bin für euch -nicht mir- ein Graus!“

Und wenn es dann zu streben gilt,
bedenke: Strebe nicht zu wild,
denn jeder Schritt zur Besserung
wird Dir schnell zur Beleidigung.

Dein Ego ist Dein Lebensschild,
ist nicht nur Deinem Leben Schild,
vermag auch Deinem Geist ein Herr
zu sein – so leben ist nicht schwer!

D'rum wenn Dein Kopf beim Geben schwillt,
Dein Wecker nur daneben schrillt,
Du übermüdet, lustlos bist,
dann sei mal einfach Egoist.

Samstag, 16. Juni 2007

Antikonformist

Es tummeln sich die Antikonformisten
und zelebrieren ihre Freiheit pur
und sind nicht anders als die Andern, nur
die Kleidung ist ein etwas schriller Schwur
entgegen jeder Gegenwart auf Listen.

Und lustig sieht es aus, wenn sie sich paaren,
bereitet es schon größte Schwierigkeit,
das eine von dem nächsten freien Kleid
zu unterscheiden, jeder ist bereit
in gleichem Stil zu leugnen, wer sie waren.

Und man bewundert Kreativitäten,
deren kleinster Nenner denkbar klein
ist, denn das ganze kreative Sein
beschränkt sich auf's kopieren eines fein
entworf'nen Maßstabs, den sie einst erspähten.

Freitag, 15. Juni 2007

Die Höhere (ein Lied)

Zelebriere, Höh're, reich Dein Wesen,
huldige Dem Vater, der Dich schuf,
solchermaßen folgend Seinem Ruf,
verzierend diesen Abschluss seines Schaffens,
alle kranken Blicke sind genesen,
sieht man Dich, so kann man's Leben lesen
und erfährt die Weisheit eines Pfaffens,
lernt die Kunst des Sehens, nicht des Gaffens,
während man sich, Dich verehrend, neigt,
Geigen zelebrieren Deine Messe
und Der Vater, stolzer Herr des Raffens
Deines Rockes, den man nie vergesse,
während auch der Himmel weinend geigt,
dieserart die Anerkennung zeigt,
die Dein Antlitz, Augen, Deine Tresse
und der and're Schmuck sich wohl verdient,
nur indem er mit Dir existiert.
Und der Wangen zartes Rosa dient
einzig der Betonung Deiner Blässe,
die Dich, Höh're, adelig verziert,
Dir dem Himmel glatt emporgegient,
zur Begleitung Streicher noch chauffiert,
Dich dem Himmelssee der heil'gen Nässe
nahe bringt, Dich vorsichtig kutschiert,
in der Kutsche, die einst schon fungiert,
um den Himmel selbst dort zu platzieren.

Donnerstag, 14. Juni 2007

Gewitterstimmung

Seit Minuten schon ist all die Luft
voll Spannung, voller bloßer Energie,
kaum ein Vogel, nicht mal ein Insekt
wagt es, diesem ahnungsvollen Duft
zu widersprechen, alles ist versteckt
und zollt dem Grollen dieser Symphonie.

Wie dumpfe Pauken bahnt sich tiefes Grollen
wellenartig rollend seinen Gang
und dringt nur unterschwellig an die Ohren.
Und man weiß, das Stürme folgen sollen,
dieser Abend wurde auserkoren,
heute gibt es Schauspiel und Gesang.

Heute gibt es sintflutartig Regen,
wie aus Himmelseimern wird er fallen
und mit schweren Tropfen das benetzen,
was in ersten Lüften sich bewegen
soll, um später dann im Sturm zu hetzen,
während Donnerblitze krachend knallen.

Diese Ahnung, diese Ouvertüre
jenes Schauspiels unserer Natur,
macht, trotz all der Mächtigkeit, so froh,
weil jedes Wanken, das den Halm berühre,
jedes Rascheln durch den Wind im Stroh
Ausdruck uns'rer Sehnsucht: Freiheit pur.

Mittwoch, 13. Juni 2007

Konträre Einsamkeit

Verschwende die Zeiten, Du ewiger Narr,
verschenke die Möglichkeit, glücklich zu sein!
Du keifst nach der Einsamkeit, wünschst Dir allein
verlassen zu leben als letzter der Schar.

Du legitimierst all die Bitterkeit, spürst
den vermeintlichen Sieg nur als Niederlage
anderer Menschen, mit denen Du Tage
und Wochen verbrachtest, doch heute vollführst

Du alberner Fürst aller Fürsten den Tanz
der Befreiten, wohlmöglich Befreiten des Lebens
und tanzt exzessiv und doch tanzt Du vergebens,
denn heimlich und still bist Du Opfer des Strebens
der Menschen nach Freundschaft voll wahrer Substanz.

Dienstag, 12. Juni 2007

Der überzeichnete Dichter

Überzeichnung, Überzeichnung



Panisch suchst Du, Dichter, nach den Wörtern,
welche Deinen Reim vollenden sollen,
schöpfst ganz unbescheiden aus dem Vollen,
wenn es gilt, die Welt gut zu erörtern.

Wenn ein guter Reim sich nicht gleich findet,
zweifelst Du recht schnell am letzten Wort,
welches es zu reimen gilt, denn dort
kommt's drauf an, wie gut man es verbindet.

Dort, beim Reimen, wird die Schlacht geschlagen,
dort entscheidet sich, wie gut man ist!
Metrum, Stil, egal – denn man vergisst
solcherlei, muss man den Reim beklagen.

Dies, oh Dichter, weißt Du nur zu gut,
darum überlegst Du lange Zeit,
welcher Reim der Stelle wohl gefeit,
welcher sie entflammt mit neuer Glut,

welcher sie mit Leben so erfüllt,
dass man meint, man stände im Geschehen,
dass man glaubt, man könne förmlich sehen,
wie der Mantel dieses Wort enthüllt.

Dies kann freilich etwas Zeit bedürfen.
Doch als Dichter, herrliches Klischee,
hat man diese, bei ein bisschen Tee,
den man pflegt, genüsslich laut zu schlürfen.

Solchermaßen hin und her gerissen,
sitzt er ein paar Stündchen dort, sinniert
über Worte, Metrum, zelebriert
die Erschaffung dieses Werks beflissen.

Montag, 11. Juni 2007

Eleganz im Kleinen

Rhythmus ist in jedem Schritt präsent,
jeder Fuß, der vor den and'ren schreitet,
somit ihm den nächsten Tritt bereitet,
ist ein Teil des Metronoms, das rennt.

Jeder Muskel wird von ihm durchflossen,
wenn er, stets im Gleichmaß und synchron
seine Pflicht erfüllt, darauf zum Lohn
kurz entlastet wird von den Genossen.

Welch perfektes Spiel der Körperteile,
zelebriert durch schlichtes Vorwärtslaufen,
nur begleitet durch das starke Schnaufen,
welches sich ergibt durch seine Eile.

Jeder Lungenflügel pumpt zugleich
mit dem Partner voller Luft sich auf,
abgestimmt und dirigiert vom Lauf,
schenkt dem Blut den Sauerstoff recht reich.

Strömend klingt der Körper wie ein Fluss,
fast schon orchestral wird die Gebärde,
deren Anmut einzig auf der Erde,
oh, wie schön kann sein, was nicht sein muss.

Sonntag, 10. Juni 2007

84

Sieh: Sie stürmen Deinen schönen Denkpalast,
entern alles, was zu ihnen nicht so passt,
oh, Du hast verprasst, was Du noch einst besessen,
was Du Dir so hart doch angeeignet hast,
nun jedoch ist Deine Meinung längst vergessen.

Wie versessen Du noch ewig drauf beharrst!
Wo Du doch das erste freie Opfer warst,
Dich entlarvtest als geziemlich braver Krieger
dieser Schlachten, deren Stolz Du noch bewahrst,
wenn Du meinst, das uniforme Hirn sei Sieger.

Oh, Piraten, sie entarten Kopf und Kunst,
machen Wahrheit ohne Klarheit wessen Gunst
befriedigt wird, wie ketzerisch die fiese Frage!
Seid es ihr? Ich glaub's fast nicht: Ich bin verhunzt?
Wer weiß das dieser Tage noch in dieser Lage?

Samstag, 9. Juni 2007

Das Für und Wieder vieler Liter

Reichlich sind der geistigen Getränke,
eifrig strebt man trinkend auf das Maß,
welches man sich setzte und vergaß,
zu und wünscht sich, dass man nichts mehr lenke.

Alles Denken tritt schon bald zurück
und im Vordergrund steht jener Spaß,
der zuletzt im Hinterstübchen saß,
und bedingt das temporäre Glück.

Transparente Lebensmüh, jedoch
ist die Farce am Morgen schon vorbei,
all der Strudel engt sich bald zum Loch.

Wenn der Kopf mit dumpfem Schmerz sich rächt
und in Frage stellt, wie gut es sei,
dass man, statt zu leben, lieber zecht.

Freitag, 8. Juni 2007

Bedrohte Bekenntnisse

Das Folgende Gedicht mag inhaltlich seine Längen haben - dies ist allerdings darauf zurückzuführen, dass ich einen imaginären Plot um die zehn schönsten Bedrohten Wörter erstellt habe. Vielleicht nimmt sich ja jemand ihrer an und verwendet sie in Zukunft wieder häufiger - einige sind ja wirklich...Kleinode.



Welch ein Schlüpfer, hold und reinlich,
lange sah man solches nicht,
auch im Lichtspielhaus, wie kleinlich,
war man nicht auf ihn erpicht.

Mit Gesprächen, die fernmündlich
sind, ruft man den Augenstern,
Bauch gepinselt, und zwar gründlich ,
hat nicht nur die Augen gern.

Welch unendlich schöne Labsal,
Köstlichkeiten für den Geist,
ärgerlich ist nur: Es gab mal
ein Dreikäsehoch, das meist

euch das Glück nicht lassen wollte,
hoffte, ihr seid blümerant,
doch Du schafftest, dass sich's trollte,
nahmst Dein Kleinod an der Hand.

Donnerstag, 7. Juni 2007

G8

...an diesem Text liegt mir aus aktuellem Anlass recht viel. Ich hoffe, er trifft.


Oh, wie schön sie reden auf dem Throne,
der, getarnt als Strandkorb, ebenso
albern wirkt, wie ihre Masken – froh
und so gewandt, solang man sie entlohne.

Schauspiellehrer haben Konjunktur,
Dramaturgen machen gutes Geld.
Ein Theater für die ganze Welt,
nur von der Substanz fehlt jede Spur...

In der Ehrenloge sitzt der Neger –
er erwartet noch den Dialog,
weiß noch nicht, dass jemand ihn betrog,
als es hieß, die Texte sei'n integer.

Als der fünfte Akt den Vorhang schließt,
applaudieren stehend leere Leute,
niemand fragt, man folgt der tollen Meute,
die vor Freude Tränen fast vergießt.

Morgen liest man überall gedruckt:
Welch Erfolg! Welch großartiges Schaffen!
Alle werden freudig Lettern gaffen,

nur der Neger stirbt, als niemand guckt...

Mittwoch, 6. Juni 2007

Ein Zug oder das apokalyptische Wesen allmächtiger Unterwelten

Ich finde es immer wieder spannend, wie man so fernes über Worte und Formulierungen in eines zu pressen vermag...vielleicht jedoch ist das aber auch wieder falsch gesagt. Vielleicht entwickelt man aus einem Pol den zweiten, ihm entgegengesetzten und dies geschieht über das Mittel der geschickten Artikulation. In beiden Fällen jedenfalls verbindet man, was gegensätzlich - oder sich zumindest nicht nahe - ist und bietet so nur allzu viele Möglichkeiten der Deutung, wobei keine fehl geht. Und was kann es besseres geben, als zu sehen, was man möchte, ohne einen Fehler begehen zu können?


Toll, wie sich das stählern kühle Ungetüm die Strecke bahnt,
nichts von seinem stählern heißen ungestümen Kräften ahnt,
unaufhaltsam durch die Wiesen, durch die Felder rasend brettert,
alle, die nicht mit ihm rennen, durch den grellen Warnton mahnt,
diesen voller Stolz und Tollheit furios entgegen schmettert.

Niemand wettert gegen dieses Monster, diesen Höllenhund,
keiner stellt sich ihm entgegen, diesem lauten Höllenschlund,
seine Eisenmacht entbehrt der Dimension normaler Welten,
seiner weisen Pracht vermacht der Teufel eine reiche Munt,
wer gesunden Kopfes ist, verzichtet drauf, vor ihm zu gelten.

Seine Füße schleifen stets mechanisch wie ein Donnerhuf,
sein Erschaffer muss derselbe sein, der auch den Donner schuf,
wie ein Blitz im Eisenmantel als Gewand, Naturgewalten
gleich folgt er der bloßen Mächte unerbittlich Ruf,
einzig dort – im Zentrum jener Macht kann er sich je entfalten.

Dienstag, 5. Juni 2007

Ritter

Möglicherweise schwer zu interpretieren...es hat mit Kapitalisten zu tun - zumindest für mich. Ich bin gespannt, wie euer Eindruck sein wird.


Steht, ihr Ritter, steht nur bitte auf!
Solche Herren braucht es heute mehr
denn je – denn welcher adelige Herr
nähm' wohl heut' noch Risiko in Kauf?

Kämpft, ihr Ritter, immer für die Ziele,
noble Interessen, nichts zu schwer!
Heute gibt es keine Ritter mehr,
keinen, der für seine Wahrheit fiele!

Seht, ihr Ritter, uns're Not ist groß!
Größer noch, als eure dunk'le Zeit,
kommt, ihr Ritter, stellt die Gnome bloß!

Und erlöst, ihr Ritter, uns vom Feigen,
zeigt: Ein edler Kämpfer ist gefeit
und scheut sich nicht, dem Volk sein Blatt zu zeigen!

Montag, 4. Juni 2007

Der falsche Weg

Alles ist in Wiederkehr befunden,
all der alten Tage bitter Schweiß,
schwielig sind die Hände und zerschunden,
können, so gezeichnet, wohl bekunden,
was des alten Lebens hoher Preis.

All der Glanz von damals ist verflogen,
das Erwachen folgt dem zarten Traum,
traumhaft schön die Wellen einst beim Wogen,
Wellen meiner Phantasie, sie logen,
und erzogen war mein Kopf noch kaum.

Heute ist die Geisterstadt mein Zeuge,
seht: Ein niemand wohnt in meinem Sinn!
Wenn ich Tölpel heut' mein Werk beäuge,
mich der Apathie des Kosmos beuge,
dann vergess' ich manchmal, wer ich bin.

Sonntag, 3. Juni 2007

Vorhang

Er schwebt wie ein Gebirge, innen hohl,
bewacht den Ort der größten aller Schwächen.
Erhebt auf diese Wache Monopol,
er lebt im Reich der traumerschaff'nen Flächen.

Und niemals könnt' ein Geist den Bann zerbrechen,
vergebens ist das Böse dieser Tage,
ein jeder Fluch vergeht schon gleich beim Sprechen,
der weiße Berg bleibt unbefleckt von Plage.

Ein wenig Wind verändert seine Lage,
ein Windhauch nur enthüllt die Eleganz
der zarten Hülle, gleichsam rein und vage,
bei aller Feinheit voller Dominanz.

Und so vereinet sich zum hohen Tanz,
was füreinander ward’ geschaffen wohl,
der Schleier bannt auf ewig Penetranz
erschafft dem Traum ein eig’nes Kapitol.

Samstag, 2. Juni 2007

Positiv erschöpft

Welch entzückend komische Empfindung:
Während man den Körper fallen wähnt,
spürt man doch, obwohl man herzhaft gähnt,
jene Spannung, wohl als letzte Bindung

„Müde“ scheint mir nicht das rechte Wort,
„fertig“ bin ich auch noch lange nicht!
„Positiv erschöpft“ und doch erpicht,
alles zu bewegen, immerfort!

Lasst mich, der ich kaum noch richtig sehen,
kaum noch stehen kann, die Achse dieser
Welt sein, fällt kein Anspruch denn noch mieser,
als der meine, will ich ewig gehen!

Schließlich wird die Arbeit zur Mechanik,
alle Muskeln kontrahier'n von sich,
kontrollieren alles – und auch mich,
sind zwar mein, doch treiben mich zur Panik

und entspannen mich in gleichem Maße,
Widerspruch, die Farben werden eins,
kein Kontrast, kein – stopp! - ist dies Wort meins?
Warum stehe ich auf einer Straße?

Warum läuft nun alles aus dem Ruder?
Ich mit Riesenschritten nur zu Dir?
Gib mir Ruhe, diese fehlt mir hier,
deck mich zu mit Schlaf als feinen Puder...

Freitag, 1. Juni 2007

Kind

Mit aufgeriss'nen großen Augen
fragt sie Dich nach dieser Welt,
scheint das Wissen aufzusaugen,
nichts, was ihre Neugier hält.

Ohne Grenzen scheint ihr Speicher,
wie begeistert kann man sein?
Wird an Wissen immer reicher,
dabei ist sie noch so klein...

Oh, welche Lebensfreude spricht
jedes Wort, mit dem sie fragt,
oh, welch Drang nach außen bricht,
wenn sie diese Wunder sagt.

Wunder eines Alltagslebens,
dass uns nicht besonders scheint,
niemals jedoch fragt vergebens,
wer in ihm ein Wunder meint.

Donnerstag, 31. Mai 2007

Der springende Punkt

Es mag zuweilen schon einmal geschehen,
dass, und ich sag's nicht ohne Ironie,
mir ein Satz durch Gigantomanie
und Wörter, die man so noch nicht gesehen,
eventuell – und auch die Hypotaxen
spielen hier nicht unbedeutend rein,
machen sie doch ständig ihre Faxen,
lassen nicht den Sinn mal einfach sein –
ja, vielleicht ein wenig aus dem Ruder,
wie man ja ganz gerne mal so sagt,
überhaupt fühl' ich mich ja als Bruder
jener Mundart, die schon recht betagt,
läuft, wobei nicht unerheblich ist,
dass ich mich auch gerne mal zum Teil
abzulenken weiß, so wie ein Christ,
der zwar gerne beten würde, weil
er dies als Christ halt machen muss, wobei
ich mich gerade frage, ob das Heil
der Seele, also dass die Seele frei
ist, nur durch beten, also ohne nicht,
möglich ist, das fänd' ich nicht gerecht,
weil jeder Mensch, der fromm und für das Licht
zu leben weiß, nicht automatisch schlecht,
na jedenfalls geschieht es so bisweilen,
dass mein Satzkonstrukt ein wenig groß
wird, doch nun will ich mich mal beeilen,
dieses zu beenden – ich muss los!

Mittwoch, 30. Mai 2007

Verloren?

Einsame Schönheit, ein Blutfleck im Stein,
grünliche Adern verzieren das Grau.
Staubige Luft und ein Tropfen von Tau –
welch ein Geschwisterpaar, ewiglich rein.

Vorsichtig zupft jede Böe am Blatt,
zögernd bewegt sich die Blüte und zeigt
all ihre Schönheit, sie öffnet sich, neigt
ihren gezeichneten Kopf in die Stadt.

Fernab des Kosmos, in dem sie bekannt,
scheinen die Dornen mehr Kunstwerk denn Wehr.
Mitleid statt Furcht und Respekt, oh, wie schwer:
Statusverlust, wenn das Herrschen bekannt.

Jemand verlor seine Rosen heut' Nacht,
jemand entledigte ihrer sich heut',
vielleicht hat jemand die Botschaft gescheut,
die jene Rose stolz mit sich gebracht.

Dienstag, 29. Mai 2007

Der Frosch und das Element

Ach, wie ungelenk ist er an Land,
watschelt halb und hüpft in gleichem Maße,
kann sich nie entscheiden – weder Hand
noch Fuß beherrschen diese Erdenstraße.

Jeder kleine Haufen Erde ist
für ihn ein Hindernis immenser Größe.
Tollpatsch ist er, wenn man's recht bemisst –
kaum ein and'res Tier gibt so viel Blöße.

Und ein Hüpfer – wieder auf den Bauch,
wieder kurz verschnaufen, wieder fragen
wie man wohl den nächsten Meter auch
noch schaffen soll mit solcherlei Betragen.

Staklig sieht er aus, zu lange Glieder
ragen rechts und links vom Körper fort.
Und die Augen glotzen immer wieder
ganz verdutzt auf diesen fremden Ort.

Schließlich ist es noch ein letzter Meter,
sandig ist der Weg – und somit schwer.
Und schon eine knappe Stunde später
wird der Frosch im Wasser wieder Herr
der Kräfte, die ihn edel gleiten lassen,
windet sich im Strudel so grazil,
als könnte er sein feuchtes Glück kaum fassen,
und vielleicht begreift er, wie fragil
alles Schöne, alles Echte ist,
und begreift, wohin er denn gehört,
und man hofft, dass niemals er vergisst,
wenn er sich in diesem Zustand schwört,
ewig fort dem Nassen treu zu bleiben,
folgend seinem Seelenelement,
folgend seinen Trieben, die ihn treiben,
in ein Universum, das er kennt.

Montag, 28. Mai 2007

Rätsel I

Ein Rätselgedicht - ich bin gespannt, wer zuerst die Lösung als Kommentar schreibt :)



Man spricht bei ihm recht gern von „zucken“
und doch besitzt er keine Gestalt,
mit der er jemals springen, sich ducken
und lachen könnte und wird niemals alt!

Er ist Dir ein Gegner und ist Dir ein Lehrer,
und manchmal ist er Dir gar ein Gott.
Und jede Lektion wird noch immer schwerer,
und lässt Du ihn siegen, so spricht er Dir Spott.

Du kennst ihn im Schlechten und schaffst durch ihn
das Gute, das Höh're, dass bessere Sein
und steigerst Dich selbst und hast ihm verzieh'n
und siehst Dich auf Bildern von vorher ganz klein.

Und um den beschwerlichen Weg zu verneinen,
nennst Du ihn auch gern im Scherz:
Er macht Dich bald lachen und macht Dich bald weinen
und nennst Du den Namen, so ist dies schon Schmerz.

Sonntag, 27. Mai 2007

Mai

Es ist vielleicht kitschig, aber es kam mir so in den Sinn und es passt gerade und ich mag es. Und sowas muss auch mal sein, finde ich.


Mai, oh Mai, wann kommst Du herbei?
Und bringst uns die Blumen,
verfütterst die Krumen
an Vögel, die wieder beginnen zu singen,
Mai, oh Mai, wann machst Du mich frei?

Mai, oh Mai, nun kommst Du herbei!
Mit stürmischen Winden
und Sonne und Linden,
es schwinden die Schatten und wachsen die Farben.
Mai, oh Mai, die Erde wird frei!

Mai, oh Mai, wann gehst Du vorbei?
Und lässt uns hier Sitzen,
auf dass wir bald schwitzen,
der Sommer, den Du uns verkündet, beginnt.
Mai, oh Mai, wir waren so frei!

Samstag, 26. Mai 2007

Am Leben ertrunken und doch...

Die Sonne wirft Strahlen, beleuchtet das Wasser,
versucht zu enthüllen, was schwerelos treibt.
Ein heimliches Glitzern beschwert den Moment,
Vermutungen schweben und niemand verkennt
die Wichtigkeit dieser Entdeckung: Noch blasser
als Lichter erscheint, was das Meer einverleibt:

Ein Körper, halb Frau und halb Mann, in der Schwebe,
die lockigen Haare im Auftrieb, der Rest
scheint leblos zu liegen auf Kissen aus Wellen
und Träume erscheinen, um gleich zu zerschellen,
auf dass dieses Meer jenem Körper wohl gebe,
was ihn für die Ewigkeit dort ruhen lässt.

Die Glieder aus Seide bewegen sich nicht,
die Finger sind regungslos anmutig, und
die Augen geschlossen, ein friedlicher Schlaf.
Man fragt nach dem Schicksal und fragt sich: Wie traf
der Irrtum der Welt dieses schöne Gesicht,
wie traf nur das Schicksal den zierlichen Mund?

Am Leben ertrunken, an Schönheit erstickt.
Beim Aufwachen kläglich an Träumen zerbrochen.
Der Irrsinn der Intensität wurde Richter,
zum Henker erkor er sie aus. Jetzt die Lichter
des Wassers, zu zeigen, wem's Unglück geschickt.
Ein Widerspruch: Schlimmes so herrlich gesprochen.

Freitag, 25. Mai 2007

Von Türen und ihrem Durchlaufen

Bei allem, was ich stetig von mir gebe,
bei aller Weisheit, die ich euch vermache,
nehmt euch nur und gebt mir dann zurück:
Sagt, wie ich denn selber richtig lebe,
sagt: Wie wird aus dieser Wissenslache
nur ein Leben? Wie wird daraus Glück?

Wie kann ich, der ich als Alter weise
und beratend euch auf Reisen leite,
jemals nur ein Kompass selbst mir sein?
Sind die Lehren, die auf kluge Weise
allumfassend ich mit Wort verbreite
nicht für jedermann? Nicht allgemein?

Sind sie mir zu klein? Fehlt das Vertrauen,
dass mein Wort auch Wahrheit ist, in mir?
Wie soll ich die Diskrepanz erklären?
Wie kann ich verwehren, was als schlauen
Rat ich wissen möchte? Und negier'
ich denn nicht, was meine Träume wären?

Letztlich ist die Tragik leicht zu greifen:
Alles geb' ich von mir, doch ich weiß
niemals selber, ob ich Wahrheit sage.
Wer es glaubt, für den ist jedes Schweifen,
jeder Ratschlag wahr und wird so leis
zu jenem Leben, das ich mir nicht wage.

Donnerstag, 24. Mai 2007

Nicht jeder Schritt ist sicher

Renne, renne, renne endlich fort!
Ha! Und sieh' die Straße rollend fließen,
wenn im Dunkel Lichter sich ergießen,
Spiegelbilder in Geschwindigkeit
Dich passieren. Ha! Verlass den Hort
der Dich das Verlassen ließ beschließen!

Alle Wesen sprießen Dir entgegen,
während Du im Trabe stolz verrennst,
dabei leider durch den Stolz verkennst,
wie Du all die fromme alte Zeit
hinter Dich beförderst, welch ein Segen
diese Hölle, die Du Leben nennst!

Ha! Da spritzen schon die ersten Tropfen
kleiner Pfützen, die Du rasch zertreten
hast, sie sind zerstört in ihrer steten
Weisheit, die voll schwarzer Bitterkeit
klebrig und verdrießlich wie ein Pfropfen,
den die Götter Dir aus Knochen kneten.

Oh, was streift den Blick aus edlem Auge?
Oh, und sag: Wann trifft die Welt Dein Wesen
solchermaßen, dass Du Dich genesen
wähnst nur durch's erkennen? Sei gescheit!
Renne, renne, dass es etwas tauge!
Renne, renne, renne Welten lesen!

Mittwoch, 23. Mai 2007

Gedeihen bedarf Geduld

Im Sturm erobernd knickt man schnell die Rosen,
deretwegen man so stürmisch kam.
Unverzeihlich wäre wohl die Gram,
über den Verlust der ed'len Blüte,
der man sich im tollen Liebestosen
doch so leidenschaftlich noch bemühte.

Schon erscheint Dir alle Müh' verfrüht,
alles Toben wogt auf hoher Welle,
zu viel Wasser in zu großer Schnelle
sorgt dafür, dass jeder Duft ertrinkt.
Alles, was noch heute stolz erblüht,
welkt schon morgen, wenn man zu sehr ringt.

Jedes singen, jeder stille Reim,
das erklingen jedes frohen Tons
wird zu schnell ein Zeichen bloßen Hohns,
wenn man alles zu sehr übertreibt,
alles jubilierend, taub im Keim
erstickt und sich das Leben einverleibt.

Dienstag, 22. Mai 2007

Parallelwelten

Ich stehe auf des Berges höchster Spitze,
spüre diesen Klimax auch in mir,
dort am Firmament erleuchten Blitze,
dort am Horizont ein Wolkentier,

wie ich in den Abgrund runterschaue,
sehe ich da unten meinen Hund,
darum spring' ich einfach rein in's Blaue,
wenig später wird schon alles bunt,

und ich tauche ein in einen Bergsee,
nur ein kleiner Zwerg stört meinen Frieden,
weil er mich so stört, tu' ich dem Zwerg weh,
hätt' er's Stören besser mal vermieden!

Jetzt, wo ich es mir so überlege:
Warum bin ich eigentlich nicht tot?
Ach, was soll's – ich gehe neuer Wege,
weshalb rauche ich denn wie ein Schlot?

Tief enttäuscht noch über diese Dummheit,
wende ich mich wieder von mir ab,
frage mich, wer hier denn nur so rumschreit
und da steht ein Clown an einem Grab.

In der Grube liegt Beate Uhse,
komisch, denk ich, was macht die denn dort?
Als der Clown fragt, ob ich gerne schmuse,
suche ich mir flugs 'nen and'ren Ort,

und ich lande glatt in meinem Zimmer,
höre meinem Wecker sein Geschrei,
alles sieht auf einmal aus wie immer
und ich merk': Der Traum ist hier vorbei.

Montag, 21. Mai 2007

Aufregung des Philosophen

Was bist Du für ein Schwein – soll ich jetzt lügen?
Nach „Höflichkeit“ benennst Du diese Farce?
Ich lache in mich rein und denk': „Das war's?“
Wie kann man sich nur jemals so betrügen?

Du blickst mich an und wirkst auch noch zufrieden,
ja, klasse, endlich hat mal wer gefragt!
Oh, bitte – hast Du echt so schnell verzagt?
Und dürstet Dich nicht nach was Du vermieden?

Ich lüge nur und Du erfreust Dich meiner,
wie meine Worte prasselnd das zerfetzen,
was Philosophen jahrelang zu schätzen
wussten(, doch bewahren konnt' es keiner...).

Welch dämlich-blödes Götzenwerk, zu sagen
man kannte sich, wenn man bisweilen spricht.
Wie kannst Du's wagen – ich verstehe nicht –
„Wie geht’s Dir“, Heuchler, auch noch mich zu fragen?

Sonntag, 20. Mai 2007

Wie intensiv muss ein Leben gelebt werden und kann man das überhaupt je wissen?

Intensiv gelebtes Allessein.
Alles ist in mir und ich bin es.
Alles. Nur was ist das? Pause. Rein.
Jeder Ton addiert, ist das jetzt Stress?

Pause. Raus. Die Welt ist groß, so groß.
Oh so groß ist alles, was ich weiß,
Und ich weiß so wenig. In den Schoß
Verkriechen, warum nicht? Wenn ich zerreiß'.

Irrer Blick naturgegeb'ner Stille,
Alles auf dem Kopf. Ich werde taub.
Hörsturz meiner Sinne? Oder Wille?
Will ich nicht mal pusten? Dieser Staub

Und dieser Dreck der alten Tage
Fein. Nur fein ist manchmal sogar gut.
Langeweile? Nein. Welch blöde Frage!
Pause. Rein. Ich spüre Übermut.

Ewig rauscht der Bach. Und diese Fische,
Bunt, so bunt erschimmert dieser Braus
Voll Schuppen, die ich instinktiv vermische
Mit allem, was ich sehe! Pause. Raus.

Samstag, 19. Mai 2007

Weltfremder

Du Wanderer wandelst auf einsamen Wegen,
versteckst alle Weisheit vor Dir,
Du Träumer entträumst Dich der Welt so entgegen,
Gedanken verkriechen sich hier.

Du Kämpfer bekämpfst jeden Aufstand im Hirn,
verhinderst die Kämpfe im Geist.
Du Spinner verspinnst dieses Leben wie Zwirn,
der, wenn es d'rauf ankommt, gleich reißt.

Du Denker, was denkst Du Dir denn nur dabei,
wenn Du einsam auf Straßen flanierst,
Du Melancholist, macht das Trauern Dich frei,
so frei, dass Du dafür erfrierst?

Du Anderer, bitte, erlerne von Neuem
die Sprache, in der ich Dir sag':
Du sollst Dich vor'm Lesen vor allem nicht scheuen,
zum Buche gerinnt jeder Tag.

Freitag, 18. Mai 2007

Sinn

Wenn jedes Wort Gewicht erfährt,
wird mein Gedicht enorm beschwert
und dennoch scheint es nicht verkehrt,
dass man ein wenig Sinn verehrt.

Und bleibt mir Tiefgrund doch verwehrt,
obwohl ich eifrig so vermehrt
darauf geachtet habe, schert
das letztlich doch auch keinen,
will ich sinnverwehrend meinen.

Donnerstag, 17. Mai 2007

Wasser der Weisheit

Dieser Ort ward' wahrlich reich beschenkt,
voll Wasser, voller Übermut und Frieden,
voller Widersprüche, doch man denkt
sich nichts dabei, genießt die Klänge,
die man in der Welt zu schnell vermieden,
hier jedoch erscheint's, als wenn sie sänge,

voller Inbrunst, wahr und voll Gefühl,
welche Göttin löst im Wasser nur
die Schale, die sie schnell nach außen kühl
und fies erscheinen lässt, Justitia,
hälst Du Deine Waage, diesen Schwur
ewiger Balance für immerdar?

Alles Wasser, das so zart hier fließt,
Deine Schalen reich und rein befüllt,
sich im Walle wogend denn ergießt,
scheint wie Wissen, das so pur gerann,
schließlich sich dem Wollenden enthüllt,
womit alle Weisheit schon begann.

Mittwoch, 16. Mai 2007

Niederlage

Er wendet sein Gesicht kurz ab und bricht
sein sich gegebenes Versprechen: Spricht
die Wörter, deren Wiedergabe nicht
und niemals irgendeinen Vorteil bringt,
nichts mehr ändert, weil kein Vogel singt,
weil kein schöner Ton im Ohr mehr klingt.

Er resigniert vor lauter Niederlage,
und fühlt für sich das Ende aller Tage,
dies alles ist die Antwort, keine Frage
hätte jemals wieder einen Nutzen.
Jedes weit're Wort wird nur beschmutzen,
was er so erpicht war, einst, zu putzen.

Säubernd dieses Falschbild, diese Lüge,
fühlt er sich, als ob er so betrüge,
was zu trügen einst ihm Grund der Rüge.
Heute, aber, weiß er um sein Irren,
fühlt sich irr, wenn alle Sinne schwirren,
ihn mit ihrer Wahrheit nur verwirren.

Darum, einzig, nur der Wahrheit wegen,
ist er nun zu schwach zu widerlegen,
was sein Leben erst so schlimm verwegen
machte, darum will er sich nicht regen.

Dienstag, 15. Mai 2007

Spott und Hohn vom Clownessohn

Es ist schon recht lustig, Dich heischend zu sehen
nach Aufmerksamkeit, nach Lob und Kritik.
Ein Echo zu schaffen heißt Leben erzwingen,
beweisend Dein Leben (welch komischer Sieg),
erinnerst Du mich nun an Enten, die gehen.

Belustigt erblicke ich all Deine Posen,
ich Richter in rosaner Robe, ich Göttchen,
und alles vernehme ich: Lügen, Dein Singen,
und schließlich, verzeih' mein nicht ehrliches Spöttchen:
Dein Tanzen in clownsgleich gefärbten Latzhosen.

So kommt es, dass wenn Du mit mir sprechen magst
und schnell zur herrlichen Halbphilosophie
gelangst, in meinem Gesichte nur Hohn
lesen kannst ob Deiner Geschichte, die nie
wirklich sagt, was Du denkst – Denkst Du nie, was Du sagst?

'Nem Blumenkohl gleich, dem ein Hut aufgesetzt,
veralberst Du Dich so schön selbst in den Spiegeln,
die an meinem Leibe zu kleben pflegen, schon
hast Du Dich erblickt, willst Dein Wesen verriegeln,
nur ist es zu spät: Hast der Welt Dich ausgesetzt.

Montag, 14. Mai 2007

Erbe

Zu später Stunde existiert im Wind
die Nacht.
Ich habe lang gewartet, wie ein Kind
gelacht.
Im Sturme wurde die Naturgewalt
entfacht,
und ich als Kind, ich hatt' mein Leben bald
verbracht.
Und kalt und eisig kalt der Menschen Ruh'
als Pacht,
als Erbe hab' ich diese Truhe zu-
gemacht.

Sonntag, 13. Mai 2007

Romantik IV

Ein toter Schatten, der die Sehnsucht lindert,
ergießt sich, gleich der ungeheuren Macht
von der ich zehrte, jene letzte Nacht,
auf meinen Körper, den das Leben hindert

in höh'rer Existenz zu zelebrieren,
was nied're Kreaturen sich erträumt.
Und wär' mein Traum ein Pferd, wär's ungezäumt,
nur kettet es der Tag an allen Vieren.

Ich Reiter, der dem Tag so froh entreitet,
verstehe wohl im klaren Mondesschein,
zwar nicht, warum mir diese Welt entgleitet,

doch weiß ich um des fahlen Tages Qual.
Erscheint sie auch im Nachtgewand recht klein,
so wächst sie, wenn erlebt, unendlich mal.

Samstag, 12. Mai 2007

Dunkel

Schmetternd verzehren solch Schritte die Luft
und füllen sie berstend voll furchtbaren Krachs,
der windend und stechend das Dunkel der Gruft
erfüllt, so wie Wasser das Tal eines Bachs.

Welch mächtige Stiefel voll düsterer Macht,
die grausam und kalt ihres Weges da schreiten,
verbindend die elenden Kräfte der Nacht
mit Ahnung der Wahrheit des Tages, welch Weiten!

Welch Weitsicht, oh, folgt diesem endlichen Grausen,
wie weit kann man sehen, wenn Dunkelheit lebt,
wenn alles so unklar erscheint, wie ein Brausen,
von dem man sich wendet, nach Frommem bestrebt?

Der Mantel bewegt sich, entschwebt seinem Herrn,
die Masse des Schattens bewegt sich hinfort,
sie schluckt jedes Leben, um dies zu vermehr'n,
und lässt es gedeihen an anderem Ort.

Der Schatten ist Wissen, nach dem man nicht fragt,
die Klänge sind grausam, weil uns nicht bekannt.
Betretet das Dunkel – dies sei euch gesagt! –,
Weil ewige Sonne Erkenntnis verbannt.

Freitag, 11. Mai 2007

Fußball

Selbstironie ist ein mächtiger Gefährte in diesem Leben...



23 Männer rennen wild
der schwarz gefleckten Lederkugel nach,
welch ein einfach wunderschönes Bild,
doch: Verlierern droht die ew'ge Schmach!

Und ein Spieler schnappt sich flugs den Ball,
rennt ein wenig, sieht den Kontrahenten,
ein Moment nur und schon folgt der Knall,
als die Beine ihn vom Leder trennten.

Schmerzverzerrten Ausdrucks windet er
sich auf dem liebevoll getrimmten Rasen,
doch kein Pfiff folgt, plötzlich kann er sehr
rasant zum nächsten Angriff wieder blasen.

Vorerst jedoch, gilt es zu verhindern,
dass der Gegner den Triumph erlangt,
nichts könnt' jemals diese Schmerzen lindern,
niemals haben Menschen mehr gebangt,

als in dieser gottesfernen Stunde,
da der Kontrahent den Querpass spielt,
in das Eckige muss nun das Runde,
nicht wie vorher, als der Torwart hielt!

Und der Brasilianer hat die Pille,
dribbelt wie ein junger Gott auf Gras,
leider ist der harten Abwehr Wille
sein Verhängnis – Grätsche und das war's!

Nun den Konter elegant vollenden,
60 Meter weit der erste Pass,
und man rupft und zerrt mit starken Händen,
Fußball ist kein Sport, ist heute Hass!

Wie der Stürmer aller Macht das Ei
bekam, war wirklich ziemlich große Kunst!
Noch ein Dreher und am Feind vorbei,
dieser Mann genießt schon jetzt die Gunst

der zahlreich angereisten Fans, die treu
nach vorne peitschen, was nach vorn gehört,
als zwölfter Mann ohn' Hemmung, ohne Scheu
der Mannschaft helfen, wie sich jeder schwört!

Zurück zum Spiel: Der Stürmer legt fein ab
auf den Kapitän, der schießen kann –
und das tut er! Der ist gut! Nur knapp
verfehlt der Ball das Tor und bricht den Bann.

So geht das Spiel noch eine ganze Weile,
immer hin und her der ganze Spaß,
Fingernägel, Rasen – nichts bleibt heile,
so erschafft man heute eben Stars.

Donnerstag, 10. Mai 2007

Feiern

Langsam füllt sich die Etage,
langsam leert sich jedes Glas,
ein paar Trinker spielen Page,
drinnen trinkt man ohne Maß.

Langsam füllen sich die Bäuche,
langsam leert der Kasten sich,
man erkundet trinkend Bräuche
(Die sind nüchtern lächerlich...).

Langsam füllen sich die Ohren
und das gute Laminat
wird zum Tanzen auserkoren,
weiter hinten spielt man Skat.

Langsam kommt echt Stimmung auf,
keine Flasche ist mehr voll,
Menschen tanzen Tische rauf,
alles geil hier, alles toll.

Weil im Takt der Boden bebt,
tanzen auch die Möbel rum,
und die Flaschen, man erlebt
alles wie Delirium.

Nun kommt auch der Vodka dran,
keine Cola? Auch egal!
Heute trinken alle Mann
ohne Anspruch oder Wahl.

Langsam füllt sich jedes Köpfchen,
langsam leert sich auch die Nacht.
Hier, bei einem guten Tröpfchen,
wird noch lang nicht Schluss gemacht.

Mittwoch, 9. Mai 2007

Fragerei

Tausend Tränen später schließlich seh'
ich all die Wahrheit, die sich mir verbarg!
Wollt' ich sie nicht sehen? War ich arg
so blind, wie ich jetzt unbeholfen steh'?

Tausend Fragen später schließlich mag
sich mir zwar einiges erklären, jedoch nie,
warum in meiner fast-Philosophie
bald tausend Dinge sind, die ich nie sag'.

Muss ich's endlich einseh'n – weiß ich nichts?
Bin ich dumm geboren, sterb' ich dumm?
Ist denn keine Lösung angesichts
dieser Frage wirklich richtig rum?

Ist sie denn umsonst, die Fragerei?
Trau' ich mir denn keine Antwort zu?
Führe ich nur Unglück so herbei,
wenn ich d'rüber grübel' ohne Ruh'?

Niemals möchte ich dies alles sagen,
doch mich treiben meine vielen Fragen.

Dienstag, 8. Mai 2007

Kleine Romanze

Auf eine Weise, die recht seltsam ist,
sind wir längst verbunden wie Magneten.
Unsichtbares Seil, für das wir beten,
weißt Du, dass auch Du verbunden bist?

Sag mir: Wie gestaltet sich ein Sein,
dass unsichtbar, doch umso stärker wirkt?
Sag mir: Sind wir größer oder klein,
wenn wir erkennen, was uns beide birgt?

Warum kann man sich nicht einfach haben,
gegenseitig aneinander laben
und sich endlich kennenlernen? Sag,
wenn es sowas gibt, dass ich Dich mag!

Montag, 7. Mai 2007

Zeit für Wortspiele

Eines, mit dem ich mich zugegebenermaßen recht schwer tat, metrisch korrekt wortzuspielen ist schwerer, als man meint und so kann es auch sein, dass sich nicht alles beim ersten Mal ganz glatt liest - ich bitte um Nachsehen.
Dafür, wage ich zu behaupten, hat man auch bei mehrmaligem Lesen noch etwas davon, weil man mitunter noch etwas entdecken mag - oder rätseln, ob das so gewollt sein kann.
Viel Spaß!




Ich schlage etwas vor – und Du mir vor den Kopf,

nachmachte ich's, gäb's Ärger und ich schließlich nach,
wir liegen beieinander, doch alles letztlich brach,
zwar fass ich mir ein Herz, doch Du Dir an den Schopf...

Ich mach' einen schlechten Eindruck, Du gern Witze,
wenn ich lache, dann Du auch, jedoch mich aus,
ich gehe aus mir raus, doch Du nur aus dem Haus
und dann oft einen Schritt zu weit, sogar bei Hitze.

Seh' ich Dir etwas nach, hab' ich das Nachsehen,
und während Du dann fernsiehst, tue ich's nur schwarz,
ich fahre aus der Haut, wenn Du mit ihm in'n Harz,
während ich spazieren, wirst Du zu weit gehen.

Und wenn es Schläge setzt und Du (ich raff' es nicht)
alles auf die eine Karte, ich mich hin,
und Du, vielleicht der Grund, warum ich glücklich bin,
machst mich ja doch an – und ich dieses Gedicht.

Limerick VII - Leer

Ein Bursche traf Gott an in Leer,
"ich erfüll' Dir 'nen Wunsch!" sprach der Herr.
Der Bursche dacht' nach
und was er dann sprach:
"Dann geh nur, ich brauch gar nichts mehr!"

Sonntag, 6. Mai 2007

Einfach

Einfach so im Strandkorb sitzen,
und das Leben faul genießen,
einfach trinken, einfach schwitzen,
jeden Tag entspannt begießen,

einfach leben lassend liegen,
einfach ohne Hektik sein,
einfach leben wie die Fliegen,
alles scheint unendlich klein.

Einfach nur beiseite schieben,
was den Tag sonst nur beschwert,
einfach nur das Leben lieben,
weil man es nur so erfährt.

Einfach mal an gar nichts denken,
und den Kopf füllt nur das Bier,
das man tüchtig einzuschenken
weiß – schön leben? Geht auch hier!

Limerick VI - New York

A young hungry man from New York
to eat meat oh he needed a fork.
He asked and he begged
but got knives just instead
so he fin'lly by hand ate his pork.

Samstag, 5. Mai 2007

Musik

Endlich maße ich mich eines längst überfälligen und überaus fragilen Themas an - überfällig, weil es meine unendliche Wertschätzung genießt, fragil, weil es umso schwerer ist, etwas gerecht zu formulieren, je mehr es einen prägt, beeinflusst und je intensiver man etwas verehrt. Wenn ich also von Musik spreche, muss ich hohe Ansprüche an mich haben und erst die Zeit und erneute Lektüre der Zeilen nach einer Weile werden zeigen, inwieweit ich ihnen gerecht werde...



Schwingungen, schwanger mit fiebriger Kraft,
Klänge, ästhetisch und voll Eleganz
zaubern im Einklang solch Stimmungen bei,
die man im Herzen versteht, fast als sei
die Musik der Welt eigener Tanz,
der Tanz meiner Welt, der ihr Leben verschafft.

Tasten erzeugen und weben Gebilde,
ein Teppich voll Töne, ein singender Geist,
ein eifriger Schreiber voll schöner Geschichten.
Geschichten des Wesens, des Ursprungs, sie lichten
Geheimnisse, bisher gehütet – man preist
Berührung in dieser Art Lebensgefilde.

Von allerlei Sprachen ist diese die klarste,
sie artikuliert ohne Worte die Seele
und spricht nur in Bildern und spricht in Gefühlen.
Niemals vermochte ein Wort so zu wühlen
in Orten des Körpers, die ich nicht befehle.
Von allerlei Sprachen – Musik ist die wahrste!

Freitag, 4. Mai 2007

Tanzfee

Die Bewegung steht ihr wirklich gut,
Tanzen scheint ihr Seelenelement.
Ach, wie packte mich der rechte Mut,
wenn sich uns're Seele nur verbänd'!

Die Bewegung steht ihr wirklich gut,
jedes Regen spricht mir ein Gedicht.
Wenn sie tanzt als wär's auf Feuerglut,
meint man wirklich: Zeit vergeht hier nicht.

Die Bewegung steht ihr wirklich gut
und es wirkt als wankte alle Welt,
während sie ekstatisch feiernd ruht,
schafft sie, was am Gegenpol gefällt.

Die Bewegung steht ihr wirklich gut,
traumverführend schaut sie zu mir her.
Mein Gedankenreich wird ihre Brut,
diese dann zu bändigen fällt schwer.

Donnerstag, 3. Mai 2007

Ein Blatt Papier

Ein Blatt Papier. Noch leer. Verlangt nach Strich.
Verlangt nach Farben, Mustern, nach Zitaten,
nach Gedanken, Sinn und dann an sich
nach den Gefühlen, die um Ausdruck baten.

Aller Arten heftig Freudentanz
wird observiert durch Stift und durch Papier.
Trauer, Glück und Furcht und Mut wird ganz
zu meiner Welt und sprudelt gar aus mir.

Abstraktestes erhält die klarsten Formen,
Hässliches wird schön durch Deutlichkeit,
denn deutlich Hässliches so klar zu normen,
bringt als Schritt gen Wahrheit jeden weit.

Ein Platt Papier. Gefüllt. Ein kleines Leben.
Mikrokosmos, lyrisch neu kreiert.
Ein Blatt Papier. So vieles kann es geben,
jedem, der sich seiner int'ressiert.

Mittwoch, 2. Mai 2007

Unwissend. Unschuldig.

„Komm schon, lass uns chatten, Süße,
wie ich ausseh'? Groß und schlank,
gut gebaut und meine Füße
sind, wie alles, g'rade nackt,
auch ansonsten bin ich rank,
sexy und durch Sport entschlackt.

Bitte? Nein, das kann ich nicht...
na ja gut, wenn Du es willst,
sag ich's Dir in das Gesicht:
25 Zentimeter,
wenn Du ihn nur richtig schwillst,
zwei Sekunden und schon steht er!

Nein, das ist nicht übertrieben,
aber kommen wir zu Dir:
Offen ist bislang geblieben,
wie es um Dein Ausseh'n steht.
Schließlich, Baby, wünsch' ich mir
nichts so sehr wie Dich so spät.

Blonde Haare? Lang und glatt?
75 C die Brust?
Kleiner Arsch, der Muskeln hat,
knackig und nur Tanga an?
Gott, verdammt, ich kriege Lust,
ob ich Dich mal sehen kann?

Wie alt bist Du? 13 Jahre?
Das ist super, schick doch gleich
noch ein Foto, wo die Haare
alles sind, was Dich bedeckt.
Ob ich Geld hab'? Ich bin reich!
Komm, jetzt hab' ich Blut geleckt!

Wow! Das bist nicht wirklich Du!?
Man, Du siehst noch besser aus,
als ich dachte: Gib doch zu:
So ein bisschen heiß gemacht
hab' ich Dich, Du kleine Maus,
komm' doch her – das wär' gelacht!

Nein – im Ernst, lass uns mal sehen
und ich zeig Dir dies und das,
Manches wirst Du erst verstehen,
wenn wir beieinander sind,
glaub mir: Das wird Riesenspaß!“
(Und zu sich: „Bis bald...mein Kind.“)


Grausig war die Woche mit dem Fund:
Eine Kinderleiche, dort im Wald.
Jemand tat's den Eltern bald schon kund
und seitdem sind ihre Herzen kalt.

Blau war ihr Gesicht und ihre Hände,
blau die Striemen dort am Handgelenk,
heute wär' sie vierzehn und man fände
sie im Kinderzimmer mit Geschenk.

Ihre Hoffnung wurde seine Sünde,
seine Sünde wurde bald ihr Tod.
Und ihr Tod als Unglück aller münde
in der Eltern elendigen Not.

Dienstag, 1. Mai 2007

Der Spielplatz auf dem ich spielte

Mit starkem Befremden lasse ich es zu:
Erinnerungsstürme fallen in mich ein
und tausende Bilder flimmern auf im Nu,
ein tosender Tagtraum nennt mich wallend sein.

Ich sehe die Bäume, sehe auch den Sand,
erkenne die Räume, die mir einst als Kind
als Spielplatz gedienten. Strecke meine Hand,
und blicke sie an, als wäre ich wie blind.

Man kann kaum Begreifen, wie sich alles dreht,
wie Zeiten bald reifen, bald schon stolz vergehen,
alles, was war, ist niemals obsolet,
alles ist gültig, man kann es heut' noch sehen.

Die Blicke sind schweifend, ich drehe noch den Hals,
um nichts zu verpassen, sauge alles auf,
versuche zu fassen, was hier war. Und falls
es gelänge, so säh' ich mich im Lauf

der Zeiten noch selbst und wäre wieder jung
und Kind und ergreife diese schöne Chance
am Schopfe, versetze ganz mich in den Schwung
des Echos des Spielplatz', wertvoll diese Trance.

Montag, 30. April 2007

Bettler - Illustriert

Bettler

Da sitzt Du nun, Du armer Vagabund,
ein Häuflein Elend und ein Haufen Dreck.
Die Zähne sind schon lang nicht mehr gesund,
die Kleidung ist ein einzig großer Fleck.

Die tiefen Kerben, zierend das Gesicht,
gefüllt mit Schmutz, verraten Deine Not.
Alleine sitzt Du, Freunde hast Du nicht,
niemand will Dich kennen, gibt Dir Brot,

gibt Dir Achtung, hilft Dir aufzustehen,
tausend mal hast Du daran gedacht,
doch Dich woll'n die Menschen nicht mal sehen,
wie dann helfen? Bald erklimmt die Nacht

den Berg der Welt und Du sitzt dort im Tal,
wo's tiefer nicht mehr geht, verbirgst den Blick
vor Menschen, die Dich streifen, welche Wahl
hat man noch, so ohne ein Geschick?

Senk die Augen, wenn Du das noch kannst,
und wenn nicht, erfüllt sie diese Leere,
die nach außen tritt aus Hirn aus Wanst,
ewig leichter Ausdruck Deiner Schwere.

Sonntag, 29. April 2007

Veränderung

Jedes Leben berst sich selbst in tausend Phasen,
und wer dies verhindern will, der stellt schnell fest,
dass ein Leben sich im Zaum nicht halten lässt,
weil es Fortschritt will und stets bewegend bleibt,
die Zeiten ändern sich – und tausend dieser Phrasen
sind wahrer, als man meint, wenn man das Sein beschreibt.

Und solchermaßen in Etappen sich gestaltend,
ändern sich auch Menschen, die am Rande gehen,
manche bleiben schon nach kurzer Weile stehen,
andere verändern die Intensität,
mit der sie sich als Künstler, uns als Werk verwaltend
miterschaffen – wieder and're kommen spät,

erschüttern dafür umso mehr den Lauf der Dinge,
manche Position wird manchmal ausgetauscht,
Liebe wird zum Freund, an seiner statt, da rauscht
ein neuer Wind, ein neuer Mensch so frisch herbei,
dass alles glänze, besser nicht, doch anders schwinge,
anders sich bewegen möge, ach! Wie frisch und frei!

Ob man nun, dies alles sehend, sich verweigert
und den Preis des Stehenbleibens zahlt, indem
so viele weitergehen, man sich fragt, mit wem
man nun auf einer Wellenlänge ist und reitet,
Relikte und Refugien im Wert noch steigert,
weil man lieber weiter noch zurück, als vorwärts schreitet

oder ob man sonngewandt dem hellen Lichte
stolz das Antlitz voller Mut entgegenreckt,
voller kluger Freude ob der Zukunft streckt
die Arme in die Höhe, zu erhaschen Sterne,
dabei froh, weil weiterschreibend die Geschichte,
da entscheide jeder sich alleine, gerne.

Samstag, 28. April 2007

Dichtend leben - lebend dichten

Blind vertrau' ich jenem edlen Geist,
der mir Zeilen voller Wonne reicht,
deren Abbild aller Wahrheit gleicht,
meine Wahrheit, die mich schreiben heißt.

Still summieren Staben meines Buches
die Geschichte meiner Sinnessphäre,
die unendlich ärmer schließlich wäre,
gäb' es nicht Gedichte ihres Fluches,

ihres Segens, ihres Reichtums schlicht.
Eingeflüstert werden schönste Bilder,
feinste Wörter, härter mal, mal milder,
wortneuschöpfend scheue ich mich nicht,

alles, was empfunden, zu verdichten,
hoffend, dass es dicht und edel werde,
umso edler Lob, umso Beschwerde,
schließlich eifert nur, die Welt zu richten,

wer ihr Diener Zeit des Lebens ist,
Opfer bringt, ihr Kernstück zu entlarven,
mal mit Trommeln, mal mit Geigen, Harfen,
mal als Misanthrop, als Humanist,

mal als dies, als das, als allerlei,
Vielfalt erst bedingt die beiden Sachen:
Erstens, dichtend alles bildlich machen,
zweitens leben – voller Glück und frei.

Freitag, 27. April 2007

Ewiger Lebensmonolog (Einzelkind)

Alle Wörter fließen stolz aus Dir
und scheinen nur dazu bestimmt zu sein,
in Deine Ohren eben wieder rein-
zukommen. Wozu sitze ich noch hier?

Du vollendest stilvoll schöne Sätze
und beschreibst, was Du doch eh schon weißt,
wozu Du sie mich also hören heißt,
wird mir nicht ganz klar, jedoch ich schätze:

Dein Problem und Dein Konflikt sind nicht
der Inhalt Deiner Sätze, die gemeinsam
wir entlarven könnten, gleich einem Gesicht,

des' Maske abgenommen ward' und sagt.
In Wahrheit fühlst Du Dich so ewig einsam,
dass stets nach Spiegeln jeder Trieb Dich fragt.

Donnerstag, 26. April 2007

Die Schönheit der Chance

In Ferne liegend wirkt sie unverbraucht,
ein starker Sog zieht meinen Sinn heran,
die Möglichkeit ist, was in Träumen taucht,
viel schöner wird es, weil man's haben kann.

Verlockend die Entbehrung, es zu kriegen
und zuckersüß ist der Optionen Duft,
sie scheint zu schweben, ich mit ihr zu fliegen
und unser Atem wird zu uns'rer Luft.

Nur: Könnt' ich sie nicht haben, frag ich, wie
empfände ich sie wohl, wie sah ich sie?
Ist Interesse ihrerseits denn nie
auch Grund für meine rege Phantasie?


Den Dingen liegen Möglichkeiten inne
und diese machen sie erst attraktiv.
In diesem etwas rationalen Sinne,
fürcht' ich, läuft im Herzen oft was schief.

Mittwoch, 25. April 2007

Der Maulwurf

Blind erfassen seine Augen kaum
ein Stück von diesem Reich, das ihm so fremd,
er lugt hervor, ein kleiner Kopf im Saum
der Erde, die er doch so gern' durchkämmt.

Hilflos reckt er seine kleine Nase
in die Luft und schnuppert, um zu sehen,
wo er sich befindet. Diese Phase
kann auch schon mal länger vor sich gehen.

Angestrengt verdreht er seinen Kopf
um Zentimeter, kneift die Augen fest
zusammen und man meint, der kleine Schopf
vermochte nichts, braucht' Hilfe in dem Nest.

Schließlich hält er mit dem Schnuppern ein,
regungslos verharrt er den Moment,
und verschwindet schließlich dann in sein
verstecktes Reich – ein Reich, das er auch kennt.

Dienstag, 24. April 2007

Der Clown

Verzieh' Grimassen bis Unkenntlichkeit
und unkenntlich bin ich wohl fürwahr,
dennoch sieht ein jeder mich so klar,
wirke ich auch nicht gerad' gescheit,

schließlich ist, wer Gegenteile schafft,
ebenso ein weiser, wie das Pro,
und mit dem Kontrast die Leute froh
zu machen, gibt auch mir im Umkehrschluss dann Kraft.

Wenn' ich stolper' zeig' ich, dass ich laufen
kann viel besser und bewusster noch
als viele, die nicht stolpern können, doch
wird niemand dies recht ab mir kaufen.

Wenn ich mich für dumm verkaufe, zeigt
die Darstellung der Dummheit all mein Können,
mir die Klugheit, euch das Lachen gönnen,
ist, wozu ein wahrer Clown doch neigt.

Wenn ich dann mit Bällen hoch jongliere,
zeige ich ganz kurz, was ich vermag,
das Genie, es tritt kurz an den Tag,
alles staunt, ist überrascht, erst viere,

später fünf, dann sieben Bälle senken
sich in Hände, offenbaren schnell:
Dieses Wesen ist nicht dumm, ist hell,
kann zumindest etwas tüchtig lenken.

Mehr jedoch an Wahrheit kommt heut' nicht,
unbeachtet bleibt dies Spiegelbild,
das dem Menschen zeigt, wie ohne Schild,
ohne Maske er trägt sein Gesicht.

Später dann, wenn alle wieder Heim,
wird man sich erinnern: Lustig war's –
der Clown im Zirkus! Überseh'ne Farce,
Übergangen ward' des Menschen Keim.

Montag, 23. April 2007

Visionen

Verfluch' die dreisten Geister Deiner Zeit,
niemand geht den Weg des Seins für Dich,
niemand macht für Dich sich lächerlich,
niemand treibt es nur für Dich zu weit!

Oh, verfluch' doch alles, was Du siehst,
wenn Du schreitest, stolz wie Vogel Strauß,
merkst nicht: Du siehst gar nicht prächtig aus,
doch das ist egal, wenn Du Dich fliehst:

Tausend Impressionen, die Dich leiten,
tausend mal ein stolzer König, doch
tausend mal Armeen, die Dir schreiten,

tausend mal verfällst Du dieser Macht,
merkst, sie ist zu stark für Dich, nur noch
ist die Kontrolle schwer für was sie bracht'.

Sonntag, 22. April 2007

Fragwürdige Hymne

Achtung: Ein Rätselgedicht!
Ich bin gespannt auf den Erfolg bei dieser dritten Rätselgedichtaufgabe, die letzten beiden konnten bislang nur von zwei Personen gelöst werden...die Auflösung wird allerdings auch zeitnah erfolgen, damit ich eure natürliche Neugierde nicht überstrapaziere ;)
Wer sich doch noch mal an den beiden älteren Rätselgedichte versuchen möchte, ist dazu herzlich eingeladen, einfach hier klicken!
Viel Erfolg!



Du bist, das kann ich ohne Vorbehalt
behaupten, wirklich wunderschön.
Sagen, einfach fies, frigid und kalt,
ist etwas, dass ich hier mit Dir verpöhn'.

In aller Welten Himmel find' im Nu
ich wahrhaft nichts, was Dir wohl gleicht, und träume
ich Dinge, vielfach besser noch als Du,
so reiße ich sie aus wie kahle Bäume.

Ich denk, wenn ich Dich nur von weitem seh':
„Schönheit! Pracht!“ Nur sage ich den Satz:
„Verschwinde doch aus meine Leben, geh'!“
Jedem Spötter Deiner Schönheit Schatz!

Es ist schon nicht mehr richtig auszuhalten,
was Du mit mir anstellst, was Du machst,
Dein Geruch, Dein Antlitz und Dein Lachen,
ja, das Schönste ist, wenn Du mir lachst!

Vernimm die Zeilen, die ich Dir vermacht,
und spei dem Gegner stolz in das Gesicht:
„Du bist hässlich wie die tiefste Nacht!“
Auf dass sie wissen: Du allein bist Licht.

Samstag, 21. April 2007

Zeitmetapher

Die Zeit entrinnt mir durch die Finger,
wie ein Strudel, schwindet sie im Schlund
des Lebens, hat doch selbst den größten Mund,
zaubert mir die schönsten Dinger.

Diese Sanduhr zählt die Körner,
die, verlaufend, Maßeinheit der Zeit,
Element des Lebens sind, nimmt weit
mich mit und auf die spitzen Hörner.

Richte Dein Bewusstsein nach:
Erweitere und schließe dieses Loch,
ein wenig kann man wenigstens dann doch
bestimmen – leg ihr Wesen brach!

Beschäftigt öffnest Du den Trichter,
genießend schmückst Du ihn verzierend aus,
erwartend wird der Trichter schnell zum Graus,
genau wie konzentriert wird’s dichter.

Verstehend man hat keine Macht,
wird man vielleicht noch ihr Freund, wer weiß.
Veränderung, zwar schön, hat ihren Preis,
besser, wenn man nie d'ran dacht'.

Freitag, 20. April 2007

Irrlicht

Im reißenden Strom dieser tobenden Welt
vergelten wir Gutes mit Gleichgültigkeit
und Schlechtes mit Schlechtem und Liebe mit Geld
und kommen mit diesem Betragen recht weit.

Durch Automatismen im Leben gefangen,
erreichen wir Ziele, die wir so genannt
und die wir erschaffen, dorthin zu gelangen,
doch die uns im Wesen nicht echt, nicht bekannt.

Was sind das für Wege, auf denen wir schreiten,
was bringt uns der Fortschritt im Irrweg, so sag!
Was sind das für Ziele, um die wir uns streiten,
doch die man im Grunde des Herzens nicht mag?

Donnerstag, 19. April 2007

Männliches. Allzu Männliches

Der Nacken wird breiter, die Schultern athletisch,
die Stoppeln von damals, sie wuchsen zum Bart,
der Kiefer ist strenger, der Blick wird oft hart,
betont seine Männlichkeit fast schon poetisch.

Die kräftigen Arme stets lässig beiseite,
so schreitet im Alltag er selbstbewusst fort,
auf's Leben gefragt, sagt er „Life is too short!“
und blickt dabei locker verträumt in die Weite.

Am Freitag jedoch, da fährt er nach Hause
und gönnt sich vom täglichen Stress eine Pause,
die Auszeit, zu der er zu selten sonst find't.

Und wenn er bei Vati und Mutti verweilt,
Geborgenheit früherer Tage ereilt,
dann ist dieser Kerl doch schon längst wieder Kind.

Mittwoch, 18. April 2007

Die Sonne fällt auf einen Baum

Ein warmer Schwall betörend gelber Sonne
vereinnahmt jedes Grün und jedes Blatt
des Baums, bis er sich zweigeteilt fast hat:
Rechts noch grün, doch links schon gelbe Wonne.

Licht und Schatten, grün und gelb, hell
und dunkel, kalt und warm erschafft der Baum
inzwischen aller Blüten Pracht, den Raum
erfüllend, das Kontrastespektrum schnell.

Ein Exemplar des Reichtums der Natur,
gelebte Lebendigkeit, offener Glanz,
Zentrum der Schönheit, Schönheiten Tanz.

Ein Kunstwerk der Schattierung, ewig pur,
ein Kunstwerk der Sonne und sie im Duett
mit Leben, Natur, dem Frieden ein Bett.

Dienstag, 17. April 2007

Limerick V - Paris

Ein mieser Gendarm aus Paris,
der war zu den Kindern oft fies,
er schubste und bleckte
die Zähne und neckte,
bis er auf die Eltern mal stieß.

Altbekanntes

Seit Jahren geh' ich täglich d'ran vorbei,
so wurde es ein fester Teil des Lebens,
durch das ich schreite, wie so mancherlei,
und immer meint man: Nichts besteht vergebens.

Dennoch, als ich heute Schuhe brauchte,
da betrat ich gar zum ersten Mal
durch die starke Holztür das erlauchte
Schuhgeschäft des Herren Erwin Stahl.

Was vorher nur Kulisse meiner Schritte,
was als Hausfront nur als Schmucke frei,
wurde heute echt durch meine Bitte,
ob hier denn ein Schuh zu finden sei.

Plötzlich stand ich hinter diesen Gläsern,
sah von innen draußen mich noch stehen,
sah den Weg, die Wiese mit den Gräsern,
konnte endlich wirklich alles sehen.

Und ich selbst – nun mitten in der Welt,
die, ebenso romantisch wie verklärt,
mir so neu und altbekannt gefällt,
dass sie sich als Teil von mir bewährt.

Montag, 16. April 2007

Viertelstunde

In dunstverwob'ner Viertelstunde,
zart umhüllt, erfüllt es sich.
Er bei ihr, mehr Freund als Kunde,
sie versteht es königlich.

Munter auf die alte Weise
wird das Spiel dann zelebriert,
erst subtil, berauschend leise,
später eher ungeniert.

Draußen dämmert noch kein Licht,
keine Menschenseele ist
schon wach und selbst die Katzen nicht,
niemand wird im Dunst vermisst.

So versteckt er sich wie immer
dort bei ihr und alles geht
gewohnten Gang in ihrem Zimmer,
weil er still nach Freunden fleht.

Sonntag, 15. April 2007

Es miteinander machen

Leidenschaftlich gibt sie sich ihm hin,
er sich ihr im eben gleichen Maß,
beiden steht nach Lust und Sex der Sinn,
beide wollen miteinander Spaß.

Alles wird probiert und nichts gelassen,
kein Tabu zensiert heut' das Gescheh'n,
beide können ihre Lust nicht fassen,
während sie sich selber dabei seh'n.

Dort im Spiegel tun sie's ebenso,
auf und ab und tiefer, weiter rein,
der Begierde wird’s gemacht und froh
empfängt sie sein Gemächt so tief hinein.

Jeder Teil des Körpers erogen,
alles lüstern, nichts bleibt heute trocken,
dieses Treiben kann niemand versteh'n,
das Einzige was stört, sind seine Socken...

Limerick IV

Man wollte sich lüstern verstecken,
im Walde so manches aushecken,
und während man's machte
(und nicht g'rade sachte),
da freuten erst recht sich die Zecken.

Samstag, 14. April 2007

Konfrontation

Stumm ermessen wir des And'ren Wesen,
stumm verharrt sein scheuer Blick auf meinem,
fast, als würden wir einander lesen,
ist mein Geist im Dialog mit seinem.

Wache Augen, die der Mensch für sich
beansprucht, hat mein gegenüber auch
und richtet sie erkennend nur auf mich
und macht von seiner Wachsamkeit gebrauch.

Hinter dieser braunen Tiefe lauert
zwar ein tierisch', dennoch reger Sinn,
umso reger, da er duldend kauert,
untermauert, dass durchschaut ich bin.

Schließlich dreht es seinen Kopf beiseite,
denn das Buch ist schließlich ausgelesen,
und nur Wald bleibt, wenn ich weiterschreite
und nur Wald bleibt, wo es g'rad gewesen.

Freitag, 13. April 2007

Der Heuchler

Achtung, ein Langes. Auch noch im leserunfreundlichen Block abgefasst, doch lässt sich das eben nicht verhindern, wenn es denn nun mal Sinn macht.
Es ist inspirierend, sich zu ärgern, noch inspirierender, sich zu sorgen, letztendlich unendlich befreiend, sich dichtend loszusagen vom Idiotischen.




Ganz frenetisch wird er, seine Wangen
leuchten und mit Leidenschaft verspricht
er allen dort im Raum, die ihm befangen
doch gerne zuhör'n, dass er diese Sicht
mit jeder Faser seines wohlgeformten
und so eloquenten Hirns erkennt,
es vertritt, es lebt, es ist als normten
seine Sinne alle Welt behänd
einzig und allein nach dieser Wahrheit,
dieser Konsequenz der Ratio,
wie auch jeder and're Teil der Klarheit,
die ihn stets befällt, wie lichterloh
entzündetes und viel zu lang verkanntes
logisch relevantes Kopfesgut,
Kultur des stolzen Wissens, doch er kannt' es
und erkannt es, dankt es seinem Mut
mit dessen Hilfe er sich fragend wagte,
nicht verzagte, sondern weitaus weiter
seinem Ich des Denkens tapfer sagte,
wie gescheit er, ferner hinten breiter,
schließlich, lernend, heiter wird, der Weg,
wie er größer sich entwickelt, endlich
über Wissenswasser wohl als Steg
funktioniert und niemals wieder schändlich
seinen Weg zurück in diese Öde
halben Wissens rostbefleckter Geister
führen wird, im Gegenteil, der schnöde
Mammon seines Hirns ist nun sein Meister.

Wie er dies palavernd zelebriert,
meint man gleich zu wissen: Dieser Mann
wird ein Großer, dieser Mann logiert
in der höchsten Klasse, was er kann
entbehrt doch dem Niveau auch der Gelehrten,
wie viel höher ist wohl nur sein Sinn?
Alle richten sich nach seinen Werten,
gehen erst Experten zu ihm hin.

Und ich? Ich sitze alleine und trinke
den Wein, den ich wählte, bevor ich dort saß.
Ich lausche verwegen ein wenig und sinke
ein bisschen gedanklich in's wägende Maß
und merke, dass alles, was dieser dort sagt
genau so gut anders rum hätte erklingen
gekonnt, doch da niemand genauer ihn fragt,
befriedigt sein allzu gekonntes umsingen
und Trällern von Floskeln, die, weil ideell
und gewöhnungsbedürftig nach Revolution
duften, doch später vergisst er sie schnell,
seine Seele vergessen, das hat er ja schon.

Donnerstag, 12. April 2007

Besonders

Ein rotes Sandkorn unter tausend Gelben,
gleich in Art und Eigenschaft, jedoch
in and'rer Farbe fällt es auf und noch
ist es nicht als Gleiches unter Selben.

Es schimmert herrlich, ein Rubin der Sonne
wie ein edles Teilchen, schön und rar,
nur hilft all die Schönheit nicht, denn gar
zu einsam ist es, schön – doch ohne Wonne.

Dort im Wind verweht sich g'rad ein Blatt,
treibt umher als Frühlings bunter Schatten,
jedermann erkennt die Form, die's hat,
wie auch Formen, die schon Blätter hatten.

Jedermann erkennt auch: Dies ist nicht
wie andere, nicht typisch konstruiert.
Herrlich elegant erkennt man nicht,
wie es trotz der Eleganz erfriert.

Dann im Zoo, man sieht wohl tausend Tiere,
eines dort ist nicht wie Löwen, Stiere
oder Elefanten, es ist fast
wie ein Tier, das nirgendwo recht passt.

Lustig sieht es aus, gar keine Frage,
jedermann begehrt es dieser Tage,
nur es selbst, missachtet von den Zoo-
bewohnern, wird dabei nicht richtig froh.

Alles ist besonders, ist speziell,
umso besser, je verrückter's ist,
weil man doch ansonsten vielleicht schnell
vergisst, wie einzigartig diese Erde,
nur, wenn Du gar zu besonders bist,
wird es Fluch – vereinsamt in der Herde.

Mittwoch, 11. April 2007

Limerick III

Man war g'rad noch Bierchen besorgen
und längst schon zum Tiere geworden,
man grunzte und lachte
und schnaufte und dachte
noch nicht an die Folgen am Morgen.

Der Vorhang schnürt sich zu (Teil 2)

Oh, der Nebel senkt sich gar zu tief,
wie ein Kreisel dreht er sich hinunter,
wie ein Strudel, der zu wirr verlief,
dreht sich alles, alles wird noch bunter,

alle Farben werden froh geeint,
vermischen sich und ihnen folgt der Klang,
der konfus als Welle zu mir drang,
während alle Welt dies Dreh'n beweint.

Wohin schau'n? Oh, wohin sich noch richten?
Alles unklar, alles hohl, mitnichten
weiß man, wo man denn gerade steht,
wenn die Zeit im Sog des Seins vergeht,

Und wenn einen alle Sinne strafen,
alle Übelkeiten sich dort trafen,
lässt die Gnade einen endlich schlafen.

Dienstag, 10. April 2007

Durch einen Vorhang (Teil 1)

Dichter Nebel senkt sich auf den Grund,
demaskiert die Klarheit dieser Tage,
doch, oh Erdenbild, erhör die Klage,
warum, nur vertilglt der Himmelsschlund

alle meine Hoffnung, und ersetzt
den Schein des Seins, wie er sich offenbart,
wie er sich noch mit der Wahrheit paart,
somit die Erkenntnis auf sich hetzt.

Letztlich, doch, verschwimmt in diesem Nebel
alles, was so strahlend g'rad noch war,
manches wird auch schöner, dieser Knebel

der Erkennens meint es gut mit mir,
wie ein Kalb, das Zwillinge gebahr,
bin ich, wenn ich trunken zelebrier'.

Montag, 9. April 2007

4:17

So friedvoll ist sie sonst nie,
in Zwielicht wird sie eingetaucht
und nannte sich fast Symphonie;
die Welt so frisch, so unverbraucht.

Der Mond wendet sich schon zum Geh'n,
er schwebt dem Rand der Nacht entgegen
und wirre Lichter verseh'n
die Welt, sie tanzen ihretwegen.

Dort drüben, da geht noch ein Mann,
die Nacht hat ihn heraus gespie'n
und führt ihn vergnügt nun im Bann,
die Welt erscheint ihm neugedie'n.

Und dies sind besondere Stunden,
voll Frieden schleichen sie dahin
und drehen im Zeitstrudel Runden,
die Welt in mir, wie ich hier bin.

Sonntag, 8. April 2007

Neues Label: Rätselgedicht

Auf Anregung eines guten Freundes, werde ich das Streben nach Formvollendung der jüngsten Zeit nicht aufgeben, aber um ein weiteres reizvolles Ziel erweitern: Versteckte Botschaften.
Die Gedichte mit dem Label Rätselgedicht enthalten getarnte Antagonien, Hinweise, die entscheidend für die Bedeutung und Interpretation des ganzen Werks sein werden...ich möchte nicht mehr verraten, denn ich würde zeitgleich gerne einen kleinen Wettbewerb mit jedem solchen Gedicht veranstalten: Ich bin gespannt, wer zuerst (am besten als Kommentar zum jeweiligen Gedicht) eine solche Botschaft findet. Dementsprechend möchte ich euch hiermit gerne einladen, nach dem Versteckten zu suchen...damit das Ganze nicht ohne zusätzlichen Reiz bleibt, darf der Erste, der etwas findet, entweder ein Thema oder die Überschrift für eines der kommenden Gedichte festlegen - ich werde nach dieser Vorgabe dichten und gelobe, mein Bestes zu geben.

In diesem Sinne: Frohes Suchen! (Passend zu Ostern)

Identität

Wer vermag mir heut' die Freud' zu nehmen,
bin ob meines Spiegelbildes ganz
ich selbst und seh' dies nicht als Penetranz -
eigentlich als eins der liebsten Themen.

Und wem es nicht ganz ebenso ergeht,
wer d'ran scheitert, tut mir leid, und sag,
bist Du nicht ebenfroh an Nacht und Tag?
Du Kind der Sonne, die hoch oben steht?

Kennt man dieses Glück des um-sich-Wissens,
man möcht' es nicht mehr missen müssen, nie
sich fragen, wer im Spiegel das heut' ist,

denn alles kennen geht, guten Gewissens,
überhaupt nur, wenn man Elegie
selbst an sich erfindet, - Du sie bist.

Samstag, 7. April 2007

Schöner Tag! (Unterdrücktes)

Hold, so hold, versteh' ich, was ich seh',
alles ist so bunt und schön, ich geh'
so viele Wege hocherquickt entlang,
suche nichts, doch finde ohne Drang.

Zu perfekt erscheint mir fast das Sein,
ohne Sorge, alles stimmt und kein
roter Faden gibt mir alles vor,
nicht ein Manko strömt in mir empor.

Welch ein Glück - und seht ihr's auch? Wir leben
unser Leben voll Erfüllung hin,
Taten untermauern unser Streben.

Tolle Sprünge mag man lustig machen,
oh, wer fragt beim Springen noch nach Sinn?
Doch zu froh erklingt mir gar mein Lachen.

Freitag, 6. April 2007

Baum

Jeden Tag begrüßt er mich erneut,
und hat sich immer selber neu erfunden
und alte Grenzen wieder überwunden,
indem er alle Welt mit sich erfreut.

Denn sein Erscheinungsbild erscheint
an jedem neuen Tage gleich erneuert,
als wäre jede Schönheit nur beteuert,
wenn man sich so neu erfunden meint.

Und wenn aus Knospen endlich Blüten sprießen,
aller Zauber dieser Renaissance
sich ergießt und weiter wird ergießen,

erscheint in Farbe solch ein Stückchen Welt,
wie man es in aller Zeiten Trance
zu selten wahrnimmt, wo es doch gefällt.

Donnerstag, 5. April 2007

Anspruch

Der Wind verändert die Realität,
er schüttelt Blätter fort und ändert Dinge,
die ich eben noch so reich besinge,
doch ich komme mit der Hymne spät.

Viel zu spät erstrahlen Worte die
doch letzten Endes nur kopieren sollen,
was uns echt erscheint und was wir wollen –
bei aller Eloquenz gelingt das nie.

Und weiter formulier' ich tausend Sätze,
und versuche, alles zu verdichten,
bilde hier semantisch tausend Schichten,
dennoch: Nie gelang' ich an die Schätze,

welche diese Welt uns reich beschafft,
die sie als ihr Abbild uns geschenkt.
Wenn der Wind die Wahrheit weise lenkt,
gibt es keine Lücke, die dort klafft.

Sie zu kompensieren, schaff' ich Zeilen,
die der Wahrheit leider ewig fern,
doch als Abbild letztlich wahrhaft gern
gesehen sind, und bitte zu verweilen.

Mittwoch, 4. April 2007

Abendhimmel

Wie der Horizont im letzten Akt des Tages glüht,
wie ein Kirschbaum seine Blüte gegen dieses Licht,
gegen dieses Firmament als Silhouette sticht,
wie der Wind sich diese Blüten stolz zu schaukeln müht.

Wie sich das Pastell dort als Verlauf am Himmel streckt,
wie der Untergang der Sonne gleichermaßen auch
den Mond und seine Sterne auf den Himmel zieht, ein Brauch,
der in mir als Ritual so frohe Sehnsucht weckt.

Wie die Luft voll Sauerstoff an meine Nase dringt,
wie sich eine Wolke durch die Farbenpracht verfärbt,
wie ein Vogel diese Szenerie des Glücks besingt.

Wie so fein mattiert des Tages letztes Licht erscheint,
wie es dort den Himmel für die Nacht so schön gegerbt,
wusste ich, dass hier und jetzt der Himmel sich vereint.

Dienstag, 3. April 2007

Zusammenleben

Oft genug wird die Liebe von einst zur Fassade, was man Romantik nannte, verkommt unter einem Mantel medialer Präsentation und man selbst? Man selbst geht unter in diesem Meer der Unentschlossenheiten und Scheinwelten.


Sag: Warum lässt Du ihn nicht einfach los?
Lass ihn, wenn er sich so sehnt, doch gehen.
Dieses Klammern stellt Dich letztlich bloß –
eine Blöße, die es schmerzt zu sehen.

Und wo ist Deine viel geseh'ne Kraft?
Wo die Geister, die so wichtig sind,
wenn man es alleine kaum noch schafft,
stimmt es etwa doch? Macht Liebe blind?

Derart blind, dass Selbstzerstörung halt
gebilligt wird, damit man noch den Schein
des scheinbar heilen, doch in Wahrheit kalt
gewordenen erhalten kann und sein

Mangel an Begeisterung, und Deiner
einfach übersehen werden, kann
man denn so leben, immer kleiner
werden lassend, alles das, was man

doch einst der Größe halber schon verehrte,
was man sich zusammen stolz besah
von allen Seiten, nie den Rücken kehrte,
schwärmte, liebte, ob von fern, von nah?

Kann man dies? Wenn Du sagst: „Ja, man kann!“,
dann will ich gerne aufhör'n, Dir zu schreiben,
dass mein Verstand den Zweifel hier ersann
und rate Dir, das Spiel nur fort zu treiben.

Elementare Jongliermuster

Zum besseren Verständnis des dazugehörigen Gedichts und vielleicht auch als interessanten Einblick, möchte ich ganz kurz und knapp die genannten Muster Kaskade, Säulen, Boxen und Multiplex erklären, beziehungsweise zeigen. Die genannten Bögen kann man zwar werfen, sie sind aber kein eigenständiges Muster, sondern einfach betont bogenartig geworfene Bälle.

Kaskade
Das Grundmuster - ein Ball wird unter den anderen geworfen, von der Mitte in die Hand.








Säulen
Eine Hand jongliert zwei Bälle - dabei ist es unwesentlich, ob die Bälle rotierend oder nebeneinander auf und ab geworfen werden.

Bei diesem Beispiel wirft die rechte Hand (vom Patienten aus) Säulen, die linke wirft einfach einen Ball auf und ab




Boxen
Ein sehr schweres Muster, das nicht sehr schwer aussieht - im Grundmuster wird ein Ball horizontal mit hoher Geschwindigkeit von einer Hand in die andere geworfen, wobei die fangende Hand vor dem Fangen noch flugs ihrerseits einen Ball vertikal in die Luft befördert. Fällt dieser vertikale Ball hinunter, wird vor dem Fangen der horizontale Ball wieder zurückgeworfen, nun ist die andere Hand dran.









Multiplex
Hierbei werden zwei Bälle von einer Hand geworfen und auch zusammen wieder gefangen.



Wer sich weiter interessiert, ist auf jong.de richtig, hier gibt es viele Videoclips zu Tricks, außerdem einen Jongliershop und dergleichen mehr.

Montag, 2. April 2007

Jonglage

Merkwürdig, dass ich dieser großartigen Tätigkeit noch kein Gedicht gewidmet habe, wo sie doch derart angenehm dominant durch mein Leben streift.
Heute also ein Gedicht über das Jonglieren, wobei ich mir erlauben möchte, noch kurz anzumerken, dass Kaskade, Säulen, Bögen, Boxen und Multiplex Jonglierarten sind - also verschiedene sogenannte Muster, die Bälle zu werfen und zu kombinieren.



Scheinbar gänzlich ohne Schwerkraft fliegen
kleine Bälle kunstvoll durch den Raum,
scheinen davon nicht genug zu kriegen,
malen Muster, wie in einem Traum.

Von Kaskade hin zu Säulen, Bögen,
Boxen, sogar Multiplex gar sehr
variantenreich verkauft, ach flögen
wir doch auch so leicht nur hin und her!

Es wirkt nicht schwer, ein solches Muster, nur
der Schein, er trügt, nicht jeder kann es gleich,
doch wünscht sich jeder, dass er's könnt, so pur
mit Welten zu jonglieren, farbenreich.

Wenn schließlich sich dann alles toll vermixt,
die Übersicht der Kunst zur Ehre weicht,
und der Jongleur den schwersten Trick ertrickst
und dabei einem Lüftemaler gleicht,

dann, spätestens hör'n die Gedanken auf,
Ästhetik, der man huldvoll fromm verfällt,
vereinnahmt einen ganz in ihrem Lauf.
Ein Zustand – rar. Obwohl er so gefällt.

Sonntag, 1. April 2007

Zukunft

Gedankenstrom, die zweite. Dabei nicht sinnlos.


Ewig fort, so fließen alle Flüsse,
kaum behindert durch das Landschaftsbild.
Tausend Grüße, winken, tausend Küsse,
der Wind steht gut, das Klima ist recht mild.

Wir variieren uns're Masken täglich,
doch wenn das Gesicht verändern soll,
scheitern viele leider allzu kläglich,
sind im Geiste leer, der Hoffnung voll.

Geht voran, oh Brüder, lasst uns schaffen,
was vor uns schon tausende geschafft,
doch mit eig'ner Hand den ganzen Pfaffen,
Richtern, alllen Leuten, die gegafft

zeigen, dass wir eigenes kreieren,
uns're Zukunft ist ein Pergament,
dass man schön bemalen, fies beschmieren
oder leer belassen kann. Wer kennt

denn schließlich alle Varianten,
die ein Leben schließlich nehmen kann?
Du? Ich? Einer der Verwandten?
Kommt! Wir schaffen unser'n eign'nen Bann!