Freitag, 1. Juni 2007

Kind

Mit aufgeriss'nen großen Augen
fragt sie Dich nach dieser Welt,
scheint das Wissen aufzusaugen,
nichts, was ihre Neugier hält.

Ohne Grenzen scheint ihr Speicher,
wie begeistert kann man sein?
Wird an Wissen immer reicher,
dabei ist sie noch so klein...

Oh, welche Lebensfreude spricht
jedes Wort, mit dem sie fragt,
oh, welch Drang nach außen bricht,
wenn sie diese Wunder sagt.

Wunder eines Alltagslebens,
dass uns nicht besonders scheint,
niemals jedoch fragt vergebens,
wer in ihm ein Wunder meint.

Donnerstag, 31. Mai 2007

Der springende Punkt

Es mag zuweilen schon einmal geschehen,
dass, und ich sag's nicht ohne Ironie,
mir ein Satz durch Gigantomanie
und Wörter, die man so noch nicht gesehen,
eventuell – und auch die Hypotaxen
spielen hier nicht unbedeutend rein,
machen sie doch ständig ihre Faxen,
lassen nicht den Sinn mal einfach sein –
ja, vielleicht ein wenig aus dem Ruder,
wie man ja ganz gerne mal so sagt,
überhaupt fühl' ich mich ja als Bruder
jener Mundart, die schon recht betagt,
läuft, wobei nicht unerheblich ist,
dass ich mich auch gerne mal zum Teil
abzulenken weiß, so wie ein Christ,
der zwar gerne beten würde, weil
er dies als Christ halt machen muss, wobei
ich mich gerade frage, ob das Heil
der Seele, also dass die Seele frei
ist, nur durch beten, also ohne nicht,
möglich ist, das fänd' ich nicht gerecht,
weil jeder Mensch, der fromm und für das Licht
zu leben weiß, nicht automatisch schlecht,
na jedenfalls geschieht es so bisweilen,
dass mein Satzkonstrukt ein wenig groß
wird, doch nun will ich mich mal beeilen,
dieses zu beenden – ich muss los!

Mittwoch, 30. Mai 2007

Verloren?

Einsame Schönheit, ein Blutfleck im Stein,
grünliche Adern verzieren das Grau.
Staubige Luft und ein Tropfen von Tau –
welch ein Geschwisterpaar, ewiglich rein.

Vorsichtig zupft jede Böe am Blatt,
zögernd bewegt sich die Blüte und zeigt
all ihre Schönheit, sie öffnet sich, neigt
ihren gezeichneten Kopf in die Stadt.

Fernab des Kosmos, in dem sie bekannt,
scheinen die Dornen mehr Kunstwerk denn Wehr.
Mitleid statt Furcht und Respekt, oh, wie schwer:
Statusverlust, wenn das Herrschen bekannt.

Jemand verlor seine Rosen heut' Nacht,
jemand entledigte ihrer sich heut',
vielleicht hat jemand die Botschaft gescheut,
die jene Rose stolz mit sich gebracht.

Dienstag, 29. Mai 2007

Der Frosch und das Element

Ach, wie ungelenk ist er an Land,
watschelt halb und hüpft in gleichem Maße,
kann sich nie entscheiden – weder Hand
noch Fuß beherrschen diese Erdenstraße.

Jeder kleine Haufen Erde ist
für ihn ein Hindernis immenser Größe.
Tollpatsch ist er, wenn man's recht bemisst –
kaum ein and'res Tier gibt so viel Blöße.

Und ein Hüpfer – wieder auf den Bauch,
wieder kurz verschnaufen, wieder fragen
wie man wohl den nächsten Meter auch
noch schaffen soll mit solcherlei Betragen.

Staklig sieht er aus, zu lange Glieder
ragen rechts und links vom Körper fort.
Und die Augen glotzen immer wieder
ganz verdutzt auf diesen fremden Ort.

Schließlich ist es noch ein letzter Meter,
sandig ist der Weg – und somit schwer.
Und schon eine knappe Stunde später
wird der Frosch im Wasser wieder Herr
der Kräfte, die ihn edel gleiten lassen,
windet sich im Strudel so grazil,
als könnte er sein feuchtes Glück kaum fassen,
und vielleicht begreift er, wie fragil
alles Schöne, alles Echte ist,
und begreift, wohin er denn gehört,
und man hofft, dass niemals er vergisst,
wenn er sich in diesem Zustand schwört,
ewig fort dem Nassen treu zu bleiben,
folgend seinem Seelenelement,
folgend seinen Trieben, die ihn treiben,
in ein Universum, das er kennt.

Montag, 28. Mai 2007

Rätsel I

Ein Rätselgedicht - ich bin gespannt, wer zuerst die Lösung als Kommentar schreibt :)



Man spricht bei ihm recht gern von „zucken“
und doch besitzt er keine Gestalt,
mit der er jemals springen, sich ducken
und lachen könnte und wird niemals alt!

Er ist Dir ein Gegner und ist Dir ein Lehrer,
und manchmal ist er Dir gar ein Gott.
Und jede Lektion wird noch immer schwerer,
und lässt Du ihn siegen, so spricht er Dir Spott.

Du kennst ihn im Schlechten und schaffst durch ihn
das Gute, das Höh're, dass bessere Sein
und steigerst Dich selbst und hast ihm verzieh'n
und siehst Dich auf Bildern von vorher ganz klein.

Und um den beschwerlichen Weg zu verneinen,
nennst Du ihn auch gern im Scherz:
Er macht Dich bald lachen und macht Dich bald weinen
und nennst Du den Namen, so ist dies schon Schmerz.

Sonntag, 27. Mai 2007

Mai

Es ist vielleicht kitschig, aber es kam mir so in den Sinn und es passt gerade und ich mag es. Und sowas muss auch mal sein, finde ich.


Mai, oh Mai, wann kommst Du herbei?
Und bringst uns die Blumen,
verfütterst die Krumen
an Vögel, die wieder beginnen zu singen,
Mai, oh Mai, wann machst Du mich frei?

Mai, oh Mai, nun kommst Du herbei!
Mit stürmischen Winden
und Sonne und Linden,
es schwinden die Schatten und wachsen die Farben.
Mai, oh Mai, die Erde wird frei!

Mai, oh Mai, wann gehst Du vorbei?
Und lässt uns hier Sitzen,
auf dass wir bald schwitzen,
der Sommer, den Du uns verkündet, beginnt.
Mai, oh Mai, wir waren so frei!

Samstag, 26. Mai 2007

Am Leben ertrunken und doch...

Die Sonne wirft Strahlen, beleuchtet das Wasser,
versucht zu enthüllen, was schwerelos treibt.
Ein heimliches Glitzern beschwert den Moment,
Vermutungen schweben und niemand verkennt
die Wichtigkeit dieser Entdeckung: Noch blasser
als Lichter erscheint, was das Meer einverleibt:

Ein Körper, halb Frau und halb Mann, in der Schwebe,
die lockigen Haare im Auftrieb, der Rest
scheint leblos zu liegen auf Kissen aus Wellen
und Träume erscheinen, um gleich zu zerschellen,
auf dass dieses Meer jenem Körper wohl gebe,
was ihn für die Ewigkeit dort ruhen lässt.

Die Glieder aus Seide bewegen sich nicht,
die Finger sind regungslos anmutig, und
die Augen geschlossen, ein friedlicher Schlaf.
Man fragt nach dem Schicksal und fragt sich: Wie traf
der Irrtum der Welt dieses schöne Gesicht,
wie traf nur das Schicksal den zierlichen Mund?

Am Leben ertrunken, an Schönheit erstickt.
Beim Aufwachen kläglich an Träumen zerbrochen.
Der Irrsinn der Intensität wurde Richter,
zum Henker erkor er sie aus. Jetzt die Lichter
des Wassers, zu zeigen, wem's Unglück geschickt.
Ein Widerspruch: Schlimmes so herrlich gesprochen.

Freitag, 25. Mai 2007

Von Türen und ihrem Durchlaufen

Bei allem, was ich stetig von mir gebe,
bei aller Weisheit, die ich euch vermache,
nehmt euch nur und gebt mir dann zurück:
Sagt, wie ich denn selber richtig lebe,
sagt: Wie wird aus dieser Wissenslache
nur ein Leben? Wie wird daraus Glück?

Wie kann ich, der ich als Alter weise
und beratend euch auf Reisen leite,
jemals nur ein Kompass selbst mir sein?
Sind die Lehren, die auf kluge Weise
allumfassend ich mit Wort verbreite
nicht für jedermann? Nicht allgemein?

Sind sie mir zu klein? Fehlt das Vertrauen,
dass mein Wort auch Wahrheit ist, in mir?
Wie soll ich die Diskrepanz erklären?
Wie kann ich verwehren, was als schlauen
Rat ich wissen möchte? Und negier'
ich denn nicht, was meine Träume wären?

Letztlich ist die Tragik leicht zu greifen:
Alles geb' ich von mir, doch ich weiß
niemals selber, ob ich Wahrheit sage.
Wer es glaubt, für den ist jedes Schweifen,
jeder Ratschlag wahr und wird so leis
zu jenem Leben, das ich mir nicht wage.

Donnerstag, 24. Mai 2007

Nicht jeder Schritt ist sicher

Renne, renne, renne endlich fort!
Ha! Und sieh' die Straße rollend fließen,
wenn im Dunkel Lichter sich ergießen,
Spiegelbilder in Geschwindigkeit
Dich passieren. Ha! Verlass den Hort
der Dich das Verlassen ließ beschließen!

Alle Wesen sprießen Dir entgegen,
während Du im Trabe stolz verrennst,
dabei leider durch den Stolz verkennst,
wie Du all die fromme alte Zeit
hinter Dich beförderst, welch ein Segen
diese Hölle, die Du Leben nennst!

Ha! Da spritzen schon die ersten Tropfen
kleiner Pfützen, die Du rasch zertreten
hast, sie sind zerstört in ihrer steten
Weisheit, die voll schwarzer Bitterkeit
klebrig und verdrießlich wie ein Pfropfen,
den die Götter Dir aus Knochen kneten.

Oh, was streift den Blick aus edlem Auge?
Oh, und sag: Wann trifft die Welt Dein Wesen
solchermaßen, dass Du Dich genesen
wähnst nur durch's erkennen? Sei gescheit!
Renne, renne, dass es etwas tauge!
Renne, renne, renne Welten lesen!

Mittwoch, 23. Mai 2007

Gedeihen bedarf Geduld

Im Sturm erobernd knickt man schnell die Rosen,
deretwegen man so stürmisch kam.
Unverzeihlich wäre wohl die Gram,
über den Verlust der ed'len Blüte,
der man sich im tollen Liebestosen
doch so leidenschaftlich noch bemühte.

Schon erscheint Dir alle Müh' verfrüht,
alles Toben wogt auf hoher Welle,
zu viel Wasser in zu großer Schnelle
sorgt dafür, dass jeder Duft ertrinkt.
Alles, was noch heute stolz erblüht,
welkt schon morgen, wenn man zu sehr ringt.

Jedes singen, jeder stille Reim,
das erklingen jedes frohen Tons
wird zu schnell ein Zeichen bloßen Hohns,
wenn man alles zu sehr übertreibt,
alles jubilierend, taub im Keim
erstickt und sich das Leben einverleibt.

Dienstag, 22. Mai 2007

Parallelwelten

Ich stehe auf des Berges höchster Spitze,
spüre diesen Klimax auch in mir,
dort am Firmament erleuchten Blitze,
dort am Horizont ein Wolkentier,

wie ich in den Abgrund runterschaue,
sehe ich da unten meinen Hund,
darum spring' ich einfach rein in's Blaue,
wenig später wird schon alles bunt,

und ich tauche ein in einen Bergsee,
nur ein kleiner Zwerg stört meinen Frieden,
weil er mich so stört, tu' ich dem Zwerg weh,
hätt' er's Stören besser mal vermieden!

Jetzt, wo ich es mir so überlege:
Warum bin ich eigentlich nicht tot?
Ach, was soll's – ich gehe neuer Wege,
weshalb rauche ich denn wie ein Schlot?

Tief enttäuscht noch über diese Dummheit,
wende ich mich wieder von mir ab,
frage mich, wer hier denn nur so rumschreit
und da steht ein Clown an einem Grab.

In der Grube liegt Beate Uhse,
komisch, denk ich, was macht die denn dort?
Als der Clown fragt, ob ich gerne schmuse,
suche ich mir flugs 'nen and'ren Ort,

und ich lande glatt in meinem Zimmer,
höre meinem Wecker sein Geschrei,
alles sieht auf einmal aus wie immer
und ich merk': Der Traum ist hier vorbei.

Montag, 21. Mai 2007

Aufregung des Philosophen

Was bist Du für ein Schwein – soll ich jetzt lügen?
Nach „Höflichkeit“ benennst Du diese Farce?
Ich lache in mich rein und denk': „Das war's?“
Wie kann man sich nur jemals so betrügen?

Du blickst mich an und wirkst auch noch zufrieden,
ja, klasse, endlich hat mal wer gefragt!
Oh, bitte – hast Du echt so schnell verzagt?
Und dürstet Dich nicht nach was Du vermieden?

Ich lüge nur und Du erfreust Dich meiner,
wie meine Worte prasselnd das zerfetzen,
was Philosophen jahrelang zu schätzen
wussten(, doch bewahren konnt' es keiner...).

Welch dämlich-blödes Götzenwerk, zu sagen
man kannte sich, wenn man bisweilen spricht.
Wie kannst Du's wagen – ich verstehe nicht –
„Wie geht’s Dir“, Heuchler, auch noch mich zu fragen?

Sonntag, 20. Mai 2007

Wie intensiv muss ein Leben gelebt werden und kann man das überhaupt je wissen?

Intensiv gelebtes Allessein.
Alles ist in mir und ich bin es.
Alles. Nur was ist das? Pause. Rein.
Jeder Ton addiert, ist das jetzt Stress?

Pause. Raus. Die Welt ist groß, so groß.
Oh so groß ist alles, was ich weiß,
Und ich weiß so wenig. In den Schoß
Verkriechen, warum nicht? Wenn ich zerreiß'.

Irrer Blick naturgegeb'ner Stille,
Alles auf dem Kopf. Ich werde taub.
Hörsturz meiner Sinne? Oder Wille?
Will ich nicht mal pusten? Dieser Staub

Und dieser Dreck der alten Tage
Fein. Nur fein ist manchmal sogar gut.
Langeweile? Nein. Welch blöde Frage!
Pause. Rein. Ich spüre Übermut.

Ewig rauscht der Bach. Und diese Fische,
Bunt, so bunt erschimmert dieser Braus
Voll Schuppen, die ich instinktiv vermische
Mit allem, was ich sehe! Pause. Raus.

Samstag, 19. Mai 2007

Weltfremder

Du Wanderer wandelst auf einsamen Wegen,
versteckst alle Weisheit vor Dir,
Du Träumer entträumst Dich der Welt so entgegen,
Gedanken verkriechen sich hier.

Du Kämpfer bekämpfst jeden Aufstand im Hirn,
verhinderst die Kämpfe im Geist.
Du Spinner verspinnst dieses Leben wie Zwirn,
der, wenn es d'rauf ankommt, gleich reißt.

Du Denker, was denkst Du Dir denn nur dabei,
wenn Du einsam auf Straßen flanierst,
Du Melancholist, macht das Trauern Dich frei,
so frei, dass Du dafür erfrierst?

Du Anderer, bitte, erlerne von Neuem
die Sprache, in der ich Dir sag':
Du sollst Dich vor'm Lesen vor allem nicht scheuen,
zum Buche gerinnt jeder Tag.

Freitag, 18. Mai 2007

Sinn

Wenn jedes Wort Gewicht erfährt,
wird mein Gedicht enorm beschwert
und dennoch scheint es nicht verkehrt,
dass man ein wenig Sinn verehrt.

Und bleibt mir Tiefgrund doch verwehrt,
obwohl ich eifrig so vermehrt
darauf geachtet habe, schert
das letztlich doch auch keinen,
will ich sinnverwehrend meinen.

Donnerstag, 17. Mai 2007

Wasser der Weisheit

Dieser Ort ward' wahrlich reich beschenkt,
voll Wasser, voller Übermut und Frieden,
voller Widersprüche, doch man denkt
sich nichts dabei, genießt die Klänge,
die man in der Welt zu schnell vermieden,
hier jedoch erscheint's, als wenn sie sänge,

voller Inbrunst, wahr und voll Gefühl,
welche Göttin löst im Wasser nur
die Schale, die sie schnell nach außen kühl
und fies erscheinen lässt, Justitia,
hälst Du Deine Waage, diesen Schwur
ewiger Balance für immerdar?

Alles Wasser, das so zart hier fließt,
Deine Schalen reich und rein befüllt,
sich im Walle wogend denn ergießt,
scheint wie Wissen, das so pur gerann,
schließlich sich dem Wollenden enthüllt,
womit alle Weisheit schon begann.

Mittwoch, 16. Mai 2007

Niederlage

Er wendet sein Gesicht kurz ab und bricht
sein sich gegebenes Versprechen: Spricht
die Wörter, deren Wiedergabe nicht
und niemals irgendeinen Vorteil bringt,
nichts mehr ändert, weil kein Vogel singt,
weil kein schöner Ton im Ohr mehr klingt.

Er resigniert vor lauter Niederlage,
und fühlt für sich das Ende aller Tage,
dies alles ist die Antwort, keine Frage
hätte jemals wieder einen Nutzen.
Jedes weit're Wort wird nur beschmutzen,
was er so erpicht war, einst, zu putzen.

Säubernd dieses Falschbild, diese Lüge,
fühlt er sich, als ob er so betrüge,
was zu trügen einst ihm Grund der Rüge.
Heute, aber, weiß er um sein Irren,
fühlt sich irr, wenn alle Sinne schwirren,
ihn mit ihrer Wahrheit nur verwirren.

Darum, einzig, nur der Wahrheit wegen,
ist er nun zu schwach zu widerlegen,
was sein Leben erst so schlimm verwegen
machte, darum will er sich nicht regen.

Dienstag, 15. Mai 2007

Spott und Hohn vom Clownessohn

Es ist schon recht lustig, Dich heischend zu sehen
nach Aufmerksamkeit, nach Lob und Kritik.
Ein Echo zu schaffen heißt Leben erzwingen,
beweisend Dein Leben (welch komischer Sieg),
erinnerst Du mich nun an Enten, die gehen.

Belustigt erblicke ich all Deine Posen,
ich Richter in rosaner Robe, ich Göttchen,
und alles vernehme ich: Lügen, Dein Singen,
und schließlich, verzeih' mein nicht ehrliches Spöttchen:
Dein Tanzen in clownsgleich gefärbten Latzhosen.

So kommt es, dass wenn Du mit mir sprechen magst
und schnell zur herrlichen Halbphilosophie
gelangst, in meinem Gesichte nur Hohn
lesen kannst ob Deiner Geschichte, die nie
wirklich sagt, was Du denkst – Denkst Du nie, was Du sagst?

'Nem Blumenkohl gleich, dem ein Hut aufgesetzt,
veralberst Du Dich so schön selbst in den Spiegeln,
die an meinem Leibe zu kleben pflegen, schon
hast Du Dich erblickt, willst Dein Wesen verriegeln,
nur ist es zu spät: Hast der Welt Dich ausgesetzt.

Montag, 14. Mai 2007

Erbe

Zu später Stunde existiert im Wind
die Nacht.
Ich habe lang gewartet, wie ein Kind
gelacht.
Im Sturme wurde die Naturgewalt
entfacht,
und ich als Kind, ich hatt' mein Leben bald
verbracht.
Und kalt und eisig kalt der Menschen Ruh'
als Pacht,
als Erbe hab' ich diese Truhe zu-
gemacht.

Sonntag, 13. Mai 2007

Romantik IV

Ein toter Schatten, der die Sehnsucht lindert,
ergießt sich, gleich der ungeheuren Macht
von der ich zehrte, jene letzte Nacht,
auf meinen Körper, den das Leben hindert

in höh'rer Existenz zu zelebrieren,
was nied're Kreaturen sich erträumt.
Und wär' mein Traum ein Pferd, wär's ungezäumt,
nur kettet es der Tag an allen Vieren.

Ich Reiter, der dem Tag so froh entreitet,
verstehe wohl im klaren Mondesschein,
zwar nicht, warum mir diese Welt entgleitet,

doch weiß ich um des fahlen Tages Qual.
Erscheint sie auch im Nachtgewand recht klein,
so wächst sie, wenn erlebt, unendlich mal.