Freitag, 10. August 2007

Angst des Künstlers

Bitte, schmeißt die Texte noch nicht weg,
legt noch nicht beiseite, ungelesen.
Rügt noch nicht die Worte, nicht den Fleck,
den ich Tölpel dort noch nicht genesen.

Bitte, oh, erinnert euch an Worte,
nur an eines – das allein wär' gut.
Flucht nicht, diese Zeilen sei'n Retorte,
kühlt ein wenig ab die frische Glut.

Bitte, gerne, sagt, was nicht gefällt.
Ja, natürlich könnt ihr kritisieren
und ich bitte d'rum, dass nichts euch hält,
wenn ihr anfangt, mich zu exzerpieren.

Nur, ich hoffe, dies ist nicht zu dämlich:
Bitte seid bedacht auf einen Fakt:
Diese Texte zeigen viel, sind nämlich
all mein Wesen – ich steh' vor euch. Nackt.

Donnerstag, 9. August 2007

Tapferer Abschied der vertanen Chance

Da meinte ich g'rade, schon alles gewonnen
zu haben und sonnte mich pfleglich im Haben,
da kam die Erleuchtung des Dunklen: Mein Laben
war kaum mir gekommen, da war es verronnen.

Wie oft ich entsonnen, zu lieben, was herrlich,
was einzig und liebenswert, lebhaft und nett!
Ich wünschte so oft schon, wie dieses Sonett,
ein Teil von dem Menschen zu sein, unentbehrlich!

Nur leider, als g'rade die Chance gefunden,
entdecke ich bitter, dass' Schicksal gespielt.
Es macht' einen Narr aus mir, hat mich entbunden

von jeglicher Ratio, kannte den Mut,
der ewiglich schmerzte, die Seele voll Schwielen,
doch machst Du mich selbstlos: Ich hoff', Dir geht’s gut!

Mittwoch, 8. August 2007

Ein Gedicht über einen Mann mit Richtlinienkompetenzen, der gerne Auto fahren wollte und nur existiert, damit lustige Reime entstehen konnten

Ich mache schon seit Jahren Führerschein,
leider ist es einfach nicht zu schaffen!
Darum ist es, dass ich Führer wein',
welch ein armes, kleines Führerschwein,
keiner folgt ihm – alle müssen gaffen!

Später fühl' ich mich als Führer klein,
rafft denn niemand von den dummen Pfaffen,
wie beschwerlich's ist, das Führer-Sein?
Schließlich habe ich als Führer kein
Feeling – vielleicht kommt's durch viele Paffen.

Letztlich habe ich als Führer mein
Befugnis überzogen, um zu fahren!
Endlich kann ich stolzer Führer rein
in's Auto, freue mir ein Führerbein
aus und fahre, endlich froh, nach Waren!

Dienstag, 7. August 2007

Meerszenerie

Die Luft ist feucht und salzig, teils vom Regen,
dessen Tropfen schwer zu Erden liegen,
teils vom Mehr, des Macht die Luft bewegen
kann; und Salzkristalle fliegen.

Und vom Ufer nur ein Stückchen weiter
wippt noch eine Schaukel still im Wind.
Und der Sand ist nass und schwer, die Leiter
rutschig noch vom Regen, der ihr rinnt.

Langsam fegen Böen kleine Teile
feinen Sands vom Spielplatz auf den Weg,
wasserschwer in luftverzerrter Eile
über Strand, auf Wasser, auf den Steg.

Allzu still und ewig monoton
trägt die Schaukel Lieder ferner Stärken
vor und jeder Mensch auf ihr wär' Hohn,
zynisch wirkt der Mensch auf seinen Werken.

Montag, 6. August 2007

Lebenskünstler oder: Nach außen - Nach innen

Den starken Mann markieren: Das ist nett.
Und Selbstbewusstsein zeigen: Das ist gut.
Und frei zu sein im Leben: Das ist Spaß.
Und alles selber schaffen: Das ist groß.
Und unempfindlich sein: Das ist stark.

Nur:

Alleine sein im viel zu großen Bett,
verlassen sein von Leidenschaft und Mut,
und keine Schulter, wenn man einsam saß,
und nackt und frierend stellt man sich so bloß,
dann muss man wissen, dass so vieles fehlt...

Sonntag, 5. August 2007

Ein Gedicht über Liebe

Man schreibt als Dichter ungern über Liebe,
denn jedes Wort erscheint umsonst, scheint dumm,
man sagt nichts Neues, druckst nur ewig rum,
und nichts reicht aus, kein Wort ist schon genug,
man mag perfekt wohl sprechen – untertriebe
doch noch maßlos. Sprachlicher Betrug.


Man schreibt als Dichter immer über Liebe,
denn jedes Wort erscheint umsonst, scheint fehl
am Platze, macht man sich nicht einen Hehl
aus uns'rem Zentrum, uns'rer Welten Licht,
und alles, was der Dichter eifrig schriebe –
es träfe doch den Menschen letztlich nicht.

Samstag, 4. August 2007

Alte Freundschaft

Lass die alten Wesen wieder kochen!
Oh, wie endlos schön gewürzt es wird,
all die Düfte, die wir nicht mehr rochen,
seit wir die Bekanntschaft unterjochen,
kommen umso schöner angeschwirrt.

Nichts von dem versalzt der zweite Koch!
Diesmal irrt das Sprichwort, siegt das Leben!
Schließlich hat die Wahrheit immer noch
hier das sagen – Nase, die es roch,
für das Leben kann's nichts schöner geben!

Oh, wie triumphier'n die Endorphine,
tanzen alle Zellen jener Sinne,
deren gutes Spiel zu uns'rer Mine
kreativer als zuvor nun schiene,
und man fürchtet furchtsam, dass man spinne.

Zeit des Abstands, schwer zu überbrücken,
Zeit des Ungewiss, die Zeit der Frage.
Überwindet man jedoch die Tücken
jener Tage, schlägt aus Weisheit Brücken –
Umso schöner! Misserfolg der Klage!

Alte Freundschaft zu verleugnen geht nicht.
Jeder Bund, der einst solch Kraft besessen
wird besteh'n, denn niemals, nie!, verweht Licht,
niemals geht zuneige, niemals dreht Sicht
derart um. So schön, das nie-Vergessen!

Freitag, 3. August 2007

Kleine Undiszipliniertheit

Ein kleiner Seufzer, hörbar kaum, doch da.
Ein wenig Luft nur, artig ausgelassen.
Niemand konnt' es hören, war ihr nah.
Ihr Gast ist Einsamkeit in rauen Massen.

Beschweren d'rüber würde sie sich nie.
Nur dieser Seufzer, klein und kaum zu hören,
der entwich in ihrer Lethargie.
War er wirklich da? Sie würd' nicht schwören.

Nur ein wenig Atem mit Geräusch,
lang nicht lang genug, sich zu entfalten.
Eines zeigt er – wenn ich mich nicht täusch' –
sie sehnt sich sehr nach Menschen, die sie halten.

Donnerstag, 2. August 2007

Trostlosigkeit

Manchmal ist man hilflos überlassen
jenen Tagen, deren Freund man nicht
zu sein vermag, solch Tage ohne Licht
und auch der Schatten droht schon, zu verblassen.

Verleugnet auch der Himmel jede Farbe,
kann die Welt im Ganzen nicht entsteh'n.
Man selbst, als Teil von ihr muss seh'n:
Die Stunden werden heute nur zur Narbe.

Und Grau und Grau umarmen sich recht herzlich.
Und kalter Wind pfeift spöttisch seinen Hohn.
Und nichts kann mir das Sein im Heute geben.

Die langen Stunden gehen kalt und schmerzlich,
man hofft zuletzt, die Nacht erwächst zum Lohn,
vielleicht gebärt die Dunkelheit mir Leben.

Mittwoch, 1. August 2007

Heute kein Gedicht

Heute kann ich kein Gedicht verfassen,
wie auch – dafür braucht man Geist und Sinn!
Geistig aber muss ich mich heut' hassen,
weil ich einfach unzufrieden bin.

Das alleine wär' nicht problematisch,
mein Verdruss jedoch ist ohne Grund.
Sinnlos starren, nahezu apathisch,
kommt mir vor wie schwerer Geistesschwund.

Tausendfach belästigen Gedanken
mich, als schlug ich selbst mir in's Gesicht.
Tausend Geister, die wie Ranken ranken,
kranken meinen Sinn, der sinnend bricht.

Oh, fragil, das Wortspiel, das erschaffen.
Noch fragiler scheint mir dieser Text.
Sinn und Geist – sie beide müssen gaffen,
dass auch ohne sie ein Spruch erwächst.

Dienstag, 31. Juli 2007

Zugfahrt

Ich glaub mir birst die Nase gleich,
die Augen füllen Tränen.
Als wär die Luft Gestanks nicht reich,
muss neben mir der gähnen.

Ich drehe mich dezent beiseite,
setze mich ein wenig um,
greif in Kaugummi (das zweite),
schreiend rennen Kinder rum.

Techno schallt den Gang herunter,
irgendwer zersägt sein Ohr,
und die Bässe, hach wie munter,
steigen, rumms!, zu uns empor.

Etwas weiter futtert g'rade
irgendwer ein halbes Rind,
schön mit Knoblauchpromenade,
deren Opfer wir nun sind.

Auch der Schaffner, nicht geruchsblind,
wendet sich behände ab.
Plötzlich freut mich, dass die hier sind –
weil ich keine Karte hab'!

Montag, 30. Juli 2007

Bitte mit guten Sitten

Dieser Mensch entbehrt der guten Sitten,
seine Sprache – flegelhaft und rau!
Diese Mängel stellt er stets zur Schau,
sagt, als wär' es ehrhaft „Schwanz“ und „Titten“!

Gestern war es, als ich ihn ersuchte,
bat ihn höflich, sein Vokabular
doch zu überdenken – nur, was war?
„Dumme Kuh!“, so sagte er, „Verfluchte!“

Manchmal möchte ich vor Wut ihm sagen,
was ich von ihm halte, sein Betragen
links und rechts ihm um die Ohren schlagen!

So auch eines Tages, er verhämte
meine Art, worüber ich mich grämte,
„Doofmann“ sagte, flüchtete, mich schämte.

Sonntag, 29. Juli 2007

Alltagsschlachten

Es erscheint mir immer wieder:
Menschen tanzen nackt.
Und ich weine stille Lieder,
ringe so das Mitleid nieder,
singe diesen Pakt.

Gott verfluchte mich mit Sehen:
Ringend bloßgestellt.
Meinen Augen alles Flehen
offenbart, die Kranken gehen
in die zweite Welt.

Was in Schärfe meinen Sinnen:
Humpelnd voller Stolz.
Wie die Zeiten euch verrinnen,
seht doch: Sie steh'n auf und spinnen
Gold zu stumpfem Holz.

Grausam, was die Sicht erfülle:
Stell Dich, Übel, dar!
Ich jedoch in meiner Hülle,
zeige euch, was dieser Fülle
Fluch und Segen war.

Samstag, 28. Juli 2007

Freund

Gute Menschen, oh, sie sind so selten!
Kaum getroffen, reisen sie schon weiter,
kurze Zeit nur froh, nur kurz so heiter,
schon verschwinden sie in and're Welten.

Niemand kann vergelten, welchen Wert
solch ein Mensch, mit dem man einfach sprechen,
einfach reden kann, nur hat, wir brechen
Konventionen
Kraft, die ewig währt.

Darum frage ich mich, wenn Du gehst:
Sollte ich Dich besser gar nicth schätzen?
Mache ich mich schwach, werd' ich verletzt?

Doch, wenn Du beim Abschied vor mir stehst,
weiß ich, dass von allen meinen Schätzen
Du der größte bist – Dich nichts ersetzt.

Freitag, 27. Juli 2007

Rückgratresonanz

Entschließe ich mich, euch mein Ich zu zeigen,
ist die Reaktion ein Witz auf meine
Kosten, denn ihr meint, dass ich alleine
handle, um zu präsentier'n mein Eigen.

Dabei – warum sollte ich verschweigen,
was in Wahrheit Freude ist und keine
Art der Darstellung, warum vereine
ich nur permanent das Leid mit Reigen?

Warum akzeptiert ihr denn mein Schweigen,
akzeptiert jedoch dann nicht das reine
Leben, wozu freie Menschen neigen?

Sagt mir: Warum denn in Rollen steigen,
nur damit es höflich ist – und scheine?
Verrufen lieber noch, als unter Feigen...

Donnerstag, 26. Juli 2007

Hart geworden

Man sagt doch immer, Fortschritt sei so gut,
aber wenn ich mich mal gehen lasse,
wenn ich mir ein Herz mal endlich fasse,
nennt man diese Freiheit Übermut.

Man sagt doch immer, Fliegen – das sei frei.
Nur hebe ich auch nur ein Stückchen ab,
zeige mal von oben, was ich hab',
heißt es nur, es sei Angeberei.

Man sagt doch immer „Sei Du selbst, mehr nicht!“.
Nur bin ich nur ich selbst, kein bisschen mehr,
macht mir jeder gleich das Leben schwer,
meint, ich präsentierte mich im Licht.

Ich scheiße drauf, was andere mir sagen,
scheiße auf den Ausdruck, auf das Wort.
Hier – im Dichten habe ich den Ort,
der erlaubt, mich offen zu betragen.

Mittwoch, 25. Juli 2007

Unbeantwortet

Herber Zauber, sag mir eine Lüge,
werde mir zum Dichter, sei mein Gott!
Lüg für mich, auf dass mein Blick mich trüge,
oh, verfiel ich nur dem tumben Trott!

Zeig statt Spiegeln mir nur schöne Bilder
und bestich die Amsel, dass sie singe,
so, als würd' mein Sehnen nicht mehr wilder,
immer, wenn ich mit ihr in mir ringe.

Bitte, Hirngespinst, erlaube Hoffen!
Lass mich hoffen, ich sei bald genesen.
Nur bis dahin bleibt der Wunsch mir offen,
dieses Lächeln sei für mich gewesen.

Dienstag, 24. Juli 2007

Revolutionär

Verzeiht mir, oh Brüder, wenn alles beim Gleichen,
wenn alles beim Alten, Bewährten doch bleibt.
Ich tat wohl mein Bestes, ich stellte die Weichen,
ich habe die Revolution einverleibt.

Ich habe im Herzen die Stürme verspürt,
die all jene großen Veränderer sah'n.
Ich habe mein Tun nur mit Herzem geführt,
ich liebte die Dinge, die durch mich geschah'n.

Ich war egoistisch – im Sinne des Plans.
Ich war auch begeistert, war vollends dabei.
Ich sah all das Alte im Zuge des Wahns
schon wanken, ich dachte, wir wären bald frei.

Ich hoffte, das Große, Gesamte zu sehen,
ich meinte, es wäre nun schließlich die Zeit,
da ließen wir Neuen das Neue auch gehen,
ich sehe wohl heute: Es war nicht so weit.

Und dennoch vermochte ich letztlich das Gute,
den Konsens der Anderen nicht zu erheben
auf Höhen des Höchsten und auf jene Route,
von der aus die Götter uns Zwerge erleben.

Montag, 23. Juli 2007

Vogelmuttermord

Traurig schreit der Vogel schon seit Stunden,
mehr ein Fiepsen denn ein echtes Schrei'n.
Dieser Vogel ist noch Jung, ist klein,
umso schlimmer, was er muss bekunden.

Unten fläzt das Ungetüm lasziv,
streckt die langen Glieder von sich fort,
kein Gewissen, nicht ein Hauch von Mord,
nicht ein Blick zum Vogel, der dort rief.

Ewig gleich, wie monoton zum Troste,
fast, als klammerte das arme Wesen
sich an das Vertraute, bitter lesen
sich die Töne, die das Schicksal loste.

So zerbrechlich, nicht bereit zu leben,
nicht bereit, allein zu existieren,
lange nicht bereit, schon zu verlieren,
was das Sein als Einziges gegeben.

Tausend Rufe, tausend werden kommen,
aber nichts wird diese Tragik enden.
Irgendwann, vielleicht lässt er's bewenden,
wartet, bis auch ihm das Sein genommen.

Sonntag, 22. Juli 2007

Die Liebe aus Sicht des Ungeliebten

Man sieht dieser Wochen so viel junges Glück,
Da wird man fast neidisch und etwas infam
verankert sich Häme ins Denken ein Stück,
genug, dass so mancher Gedanke mir kam:

Erst hält man noch Händchen, dann hält sich die Waage,
und wenn sie sich drauf stellt, dann wird’s bald schon mehr.
Dann fragt sie ihn, weshalb er ihr nie mal sage,
sie sehe so leicht aus – nur fällt ihm das schwer.

Und bald schon verwandeln sich Frühstücksgedecke
in fleckige Reste, gewöhnliches Essen.
Die Reizunterwäsche liegt in der Ecke,
doch nicht wild entrissen, sie wurd' nur vergessen.

Die Flaschen mit Wein, die noch g'rad stolz kredenzt
mit funkelnden Gläsern, die eifrig geputzt,
werden heut' auch getrunken, nur ist sie begrenzt,
die Freude am Blute, das's Sofa verschmutzt.

Und packt er sie nochmal mit inniger Hitze,
erwischt er sie kalt und sie bleibt nicht ganz cool
und sagt ihm, er solle das lassen, sie schwitze,
dann rettet sie, kopfhaltend, sich schnell zum Stuhl.

Ihr nennt mich sarkastisch? Meint, dass ich nur hasse?
Das ist nicht gerade sensibel, ich bin...
ich muss nur beweisen, dass ich nichts verpasse,
wenn ich alleine die Liebe ersinn'.